Wieso schlägt mann/frau zu? Teil 2

Ich möchte damit fortfahren Ihnen eine Situation zu schildern, die Sie vielleicht selbst erlebt haben oder kurz davor waren. Ich spreche von Vätern und Müttern, die sich mit ihrem Kind streiten, beide Seiten bringen ihre Argumente, Stimmen werden laut und lauter – die Situation eskaliert. Die Mutter oder der Vater wird handgreiflich gegenüber dem Kind. Andere Situation, ähnlicher Ablauf. Aufmüpfige Schüler, gestresste Lehrer_in und die Hand rutscht aus. Es gibt deren Situationen zu häuf und zu finden in zahlreichen Bereichen des alltäglichen Lebens. Polizei, Pflege, Sport … Die Frage, welche sich nun stellt wäre folgende:“Sind diese Menschen alle machtgeile Bestien, die ihre Machtposition gefährdet sehen und diese mit Gewalt verteidigen!?“

Ich glaube viele von uns haben sich bereits in solchen oder ähnlichen Situationen befunden und die meisten werden diese Frage verneinen. Lügen die alle, machen die sich was vor?

Ich denke nein!

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Wieso schlägt mann/frau zu?

Teil 1:

Wenn es um häusliche Gewalt geht, taucht diese Frage früher oder später so oder in ähnlicher Form auf. Auch wird daraufhin gewiesen, dass gewalttätige Menschen lediglich in den eigenen vier Wänden zuschlagen und nicht Ihre Arbeitskollegen angreifen, wie jüngst in einem Artikel bemerkt.

Die öffentliche Meinung und die Presse, leider auch viele Professionelle sind sich einig, dass es dem/der Täter_in in allererster Linie um Macht und/oder Machterhalt geht.

Ich bin da anderer Meinung. Es wird mit Sicherheit derer geben, jedoch viele werden aus einem anderen Grund gewalttätig. Um eins vorweg zu nehmen, ich lehne Gewalt in all seinen Formen ab, verachte Gewalt und will sie nicht entschuldigen – ich will sie verstehen und anderen begreiflich machen. Damit wir das Tabu brechen können, das über häuslicher Gewalt schwebt und verhindert, dass offen über Gewalt geredet werden kann. Für beide Seiten, sowohl für Betroffene, wie für Ausübende.

KONFLIKT.GEWALT. – Newsletter Januar 2019

Neues von den Schweizer Kollegen. Besonders interessant zu lesen sind die Erfahrungsberichte von Betroffenen.

KONFLIKT.GEWALT. – Newsletter Januar 2019
— Weiterlesen mailchi.mp/konflikt-gewalt/konfliktgewalt-newsletter-nr-1-januar-503263

Ausufernde Gewalt

Kürzlich veröffentlichte die Polizei in Deutschland ihre Statistik für 2017 über häusliche Gewalt und schockte die Öffentlichkeit mit einer schrecklichen und kaum zu glaubenden Zahl!

Jeden Tag stirbt eine Frau in Deutschland durch die Hand eines Partners oder Ex-Partners.

Nun erschütterte eine Beziehungstat auch Luxemburg. Am 02. Januar rannt ein Mann mit seinem Wagen in eine Gruppe von Menschen und verletzte dabei 3 Erwachsene und zwei Kleinkinder unterschiedlich schwer. Eines der Kleinkinder sollte kurz nach der Tat an den Folgen seiner Verletzungen sterben.

Unter den Verletzten befand sich die Ex- Freundin des Täters und ihr gemeinsames Kind, welches verstorben ist.

Die näheren Umstände sind, außer den Genannten, ungewiss.

Jemand fragte mich, ob ich(Tätertherapeut) denn auch solch einen Mann verstehen könnte. Ich habe ziemlich schnell mit einem klaren ja geantwortet.

Ich habe eine Vorstellung davon, was möglicherweise in so einem Mann vorgeht. So würde ich an ihn herangehen und ihm begegnen. Wenn sich meine Hypothese bestätigt, könnte ich mit ihm arbeiten, wenn nicht würde ich sie anpassen, bzw. könnte ich auch zu dem Schluss kommen, dass ich nicht mit dem Mann arbeiten könnte.

Aber zurück zur Tat und dem Ereignis. Die Öffentlichkeit erfährt von solchen Dingen an einem Punkt, an dem bereits vieles passiert ist. Von der Vorgeschichte wissen die Wenigsten. Sozusagen beschäftigten sich die Menschen mit der Spitze des Eisberges. Der Teil, welcher unterhalb der Wasseroberfläche liegt, bleibt verborgen. Den Meisten wird dieser Blick genügen und ihre Meinung über den Vorfall wird davon geprägt und beeinflusst sein.

Wie oben angedeutet ist diese verabscheuungswürdige Tat das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung und sollte keinesfalls isoliert betrachtet werden. Alleine deshalb, weil wir daraus lernen könnten und weitere ähnliche Taten verhindern könnten.

Viele Appelle an Täter verschallen ohne Resonanz im Nirwana und sind somit nutz- und sinnlos. Sie taugen wohl lediglich um das Gewissen zu beruhigen und um festgefahrene Vorurteile gegenüber Tätern weiter zu bekräftigen.

Ähnlich den Kampagnen der Securité routière entlang unserer Straßen verfehlt diese Art der Ansprache ihr Ziel. Die meisten Männer fühlen sich weder als Raser noch als Gewalttäter angesprochen. Sie identifizieren sich nicht mit denen; sie sagen sich: „Ich bin das nicht, solche schlimmen Dinge mache ich nicht, ich bin nicht wie Die!“

Daher ist es wichtig zu wissen, dass die meisten Täter von Tötungsdelikten „klein“ angefangen haben. Und niemand hat das ernst genommen. Sie selbst am Wenigsten. Aber auch das Umfeld; nach wie vor nehmen, die meisten Menschen Beziehungsprobleme, Streitigkeiten oder Ähnliches von Familienmitgliedern, Kollegen, Freunden und Nachbarn, als private Angelegenheiten wahr. Und die Betroffenen erst recht. Auch die Schulen verschließen ihre Augen, wenn Kinder Hinweise auf häusliche Gewalt äußern.

 

Täterarbeit in Frankfurt

Meine Kollegin betreibt in Frankfurt ein Institut an dem sie, neben anderen Dingen, auch Täter(innen)beratung anbietet.

Hier ein kleiner Einblick:

www.linkedin.com/pulse/gewalt-passiert-nicht-ist-eine-entscheidung-sylvia-sophia-assmann