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Ausufernde Gewalt

Kürzlich veröffentlichte die Polizei in Deutschland ihre Statistik für 2017 über häusliche Gewalt und schockte die Öffentlichkeit mit einer schrecklichen und kaum zu glaubenden Zahl!

Jeden Tag stirbt eine Frau in Deutschland durch die Hand eines Partners oder Ex-Partners.

Nun erschütterte eine Beziehungstat auch Luxemburg. Am 02. Januar rannt ein Mann mit seinem Wagen in eine Gruppe von Menschen und verletzte dabei 3 Erwachsene und zwei Kleinkinder unterschiedlich schwer. Eines der Kleinkinder sollte kurz nach der Tat an den Folgen seiner Verletzungen sterben.

Unter den Verletzten befand sich die Ex- Freundin des Täters und ihr gemeinsames Kind, welches verstorben ist.

Die näheren Umstände sind, außer den Genannten, ungewiss.

Jemand fragte mich, ob ich(Tätertherapeut) denn auch solch einen Mann verstehen könnte. Ich habe ziemlich schnell mit einem klaren ja geantwortet.

Ich habe eine Vorstellung davon, was möglicherweise in so einem Mann vorgeht. So würde ich an ihn herangehen und ihm begegnen. Wenn sich meine Hypothese bestätigt, könnte ich mit ihm arbeiten, wenn nicht würde ich sie anpassen, bzw. könnte ich auch zu dem Schluss kommen, dass ich nicht mit dem Mann arbeiten könnte.

Aber zurück zur Tat und dem Ereignis. Die Öffentlichkeit erfährt von solchen Dingen an einem Punkt, an dem bereits vieles passiert ist. Von der Vorgeschichte wissen die Wenigsten. Sozusagen beschäftigten sich die Menschen mit der Spitze des Eisberges. Der Teil, welcher unterhalb der Wasseroberfläche liegt, bleibt verborgen. Den Meisten wird dieser Blick genügen und ihre Meinung über den Vorfall wird davon geprägt und beeinflusst sein.

Wie oben angedeutet ist diese verabscheuungswürdige Tat das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung und sollte keinesfalls isoliert betrachtet werden. Alleine deshalb, weil wir daraus lernen könnten und weitere ähnliche Taten verhindern könnten.

Viele Appelle an Täter verschallen ohne Resonanz im Nirwana und sind somit nutz- und sinnlos. Sie taugen wohl lediglich um das Gewissen zu beruhigen und um festgefahrene Vorurteile gegenüber Tätern weiter zu bekräftigen.

Ähnlich den Kampagnen der Securité routière entlang unserer Straßen verfehlt diese Art der Ansprache ihr Ziel. Die meisten Männer fühlen sich weder als Raser noch als Gewalttäter angesprochen. Sie identifizieren sich nicht mit denen; sie sagen sich: „Ich bin das nicht, solche schlimmen Dinge mache ich nicht, ich bin nicht wie Die!“

Daher ist es wichtig zu wissen, dass die meisten Täter von Tötungsdelikten „klein“ angefangen haben. Und niemand hat das ernst genommen. Sie selbst am Wenigsten. Aber auch das Umfeld; nach wie vor nehmen, die meisten Menschen Beziehungsprobleme, Streitigkeiten oder Ähnliches von Familienmitgliedern, Kollegen, Freunden und Nachbarn, als private Angelegenheiten wahr. Und die Betroffenen erst recht. Auch die Schulen verschließen ihre Augen, wenn Kinder Hinweise auf häusliche Gewalt äußern.

 

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Die Hand, die ausrutscht!

Letztens war in der Presse zu lesen, dass ein bekannter deutscher Schauspieler einen anderen Schauspieler geohrfeigt habe. Die Beiden sollen Streit bekommen haben, auf einer Party, nach einer Preisverleihung.

Weiter unten stehen die Namen. Es soll hier aber nicht um die Protagonisten selbst gehen, bzw. um das Thema Gewalt an sich, sondern, wie wir oder die Presse damit umgehen.

Hier eine Zeile aus einem Artikel, der sich mit dem Vorfall beschäftigt:

“ In der Nacht von Freitag auf Samstag ist Til Schweiger die Hand ausgerutscht, sie traf die Wange von Elyas M’Barek.“

(Quelle: Von Anna Kemper Zeitmagazine 23. JUNI 2015, 15:11 UHR)

Es geht mir um die Darstellung und Berichterstattung von Gewalttaten – sie ähnelt stark dem, was Gewalttäter_innen so an Erklärungen bereit halten, wenn sie sich selbst oder anderen erklären, was sie eigentlich getan haben. Nämlich nichts, gar nichts! Sie selbst haben – nichts – gemacht.

Ihre Hand ist ihnen ausgerutscht und zufällig im Gesicht des Gegenübers gelandet. Die Hände von diesen Menschen führen ein Eigenleben, völlig autark und ohne Kontrolle des Besitzers, schlagen sie, kneifen sie und schubsen andere Menschen und verletzen diese.

Dieses Verhalten dient alleine einem einzigen Zweck, nämlich die Verantwortung abzugeben. In diesem Fall der eigenen Hand, die sich selbständig gemacht hat. Oft ist aber auch der Gegenüber schuld; die Verantwortung für das eigene Tun dem anderen übertragen. Der, die hat provoziert, mich wütend gemacht, versteht nichts anderes u.s.w.

Und auch hört mann/frau Eltern sagen: „Eine auf den Hintern hat noch nie jemandem geschadet“ Oder “ Schade für die, die vorbei gegangen sind, bzw. wer nicht hören will, muß fühlen.“

Gewalt zerstört – macht die Seele kaput.