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Täter täuschen Betroffene und ihr Umfeld

Wo sich vermehrt Kinder aufhalten, halten sich ebenfalls Erwachsene auf, die sexualisierte Gewalt gegen diese Kinder ausüben!

So geschehen jetzt kürzlich bei dem Almprojekt für ADHS- Kinder, organisiert von der Sinn- Stiftung.
Artikel von Christian Füller(Spiegel Online Montag, 25.03.2013):(jf)

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/sexueller-missbrauch-auf-adhs-alm-der-sinn-stiftung-a-890741.html

Hier die Stellungnahme der Sinn-Stiftung zu den Vorfällen beim Almprojekt Via nova:

Tibor B., ein Schweizer Sozialpädagoge, betreute 2010 als Honorarkraft fünf Wochen lang sechs Kinder auf einer Via-nova-Alm, gemeinsam mit einer Kollegin und zwei Entlastungskräften. Für drei Familien hatte er die Nachbegleitung übernommen.
Er wurde aufgrund einer Anzeige im Januar 2012 in Haft genommen. Die Ermittlungen sind nun abgeschlossen. Die Ergebnisse sind schockierend. Über etwa 20 Jahre hinweg hat er sich an unterschiedlichen Arbeitsstellen und privat unentdeckt pädophil vergangen.
Inzwischen stehen wir vor der bedrückenden Situation, dass es unserer derzeitigen Einschätzung nach zumindest bei einem Kind auf der Alm 2010 mehrfach zu pädophilen Übergriffen gekommen ist. Am 19.03.2013 äußerte sich eine Mutter einem Mitglied des Vorstands der Sinn-Stiftung gegenüber erstmals konkret und sehr eindeutig. Sie hat bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt.
Der Vorstand der Sinn-Stiftung hat inzwischen alle Eltern über diese Sachlage informiert und sein großes Bedauern ausgedrückt. Wir haben eine Hotline eingerichtet, die der professionellen Unterstützung für Eltern und Kinder durch sehr erfahrene, unabhängige Traumatherapeutinnen dient. Sie bieten darüber hinaus ein Elterntreffen an.
Es macht uns zutiefst betroffen, dass unsere Präventionsmaßnahmen an dieser Stelle nicht ausreichten, um Tibor B. als potentiell gefährdend für die uns anvertrauten Kinder identifizieren zu können. Es ist ihm gelungen, sowohl pädophile Neigung als auch seine bisherigen Vergehen auf diesem Gebiet perfekt vor uns und anderen zu verbergen.
Wir wollen im Folgenden transparent berichten. Dabei berücksichtigen wir das Schutzbedürfnis der Familien vor zusätzlichen Medienbelastungen und die Zuständigkeit der Schweizer Justiz.
1. Ende Juni 2011, direkt vor Almbeginn, wurde uns ein Verdacht der pädophilen Grenzüberschreitung in einem privaten Zusammenhang durch Tibor B. zugetragen, ohne dass konkrete Beweise vorgelegen hätten. Wir baten, dies den zuständigen Behörden zur Kenntnis zu bringen. Das betroffene Kind wollte nicht aussagen. Die Rechtsberatung der Sinn-Stiftung riet davon ab, gegen den ausdrücklichen Wunsch des betroffenen Kindes zu handeln. Umgehend suspendierten wir Tibor B. in Rücksprache mit der Familie, der Rechtsberatung, einem Traumaexperten und Gerald Hüther bis zur Klärung von der Alm 2011 und untersagten jeglichen Kontakt zu Kindern, was wir ihn auch schriftlich erklären ließen. Leider wissen wir inzwischen von zwei Fällen, dass er sich von uns unbemerkt nicht an die Abmachung hielt.
Eine Anzeige unsererseits hätte nach Urteil von Juristen eine Strafanzeige wegen Verleumdung nach sich ziehen können. Aus demselben Grund konnten wir den Eltern und den meisten Mitarbeitern der Alm 2011 den Grund der Entlassung von Tibor B. zu diesem Zeitpunkt nicht mitteilen. Möglichst deutlich kommunizierten wir, dass die Sinn-Stiftung aus guten Gründen den Kontakt von Tibor B. mit Kindern unterbunden hat. Die leitenden Mitarbeiter wussten Bescheid.
2. Ende August 2012 erfuhren die Verantwortlichen der Sinn-Stiftung durch eine Mutter des Via-nova-Projektes, dass Tibor B. in Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen pädophiler Übergriffe in Haft war. Sie habe erst nach und nach realisiert, was passiert war, und habe deshalb ebenfalls bei der Schweizer Justiz ausgesagt. Sie erzählte eine sehr komplexe und verworrene Geschichte im Rahmen ihres privaten Kontaktes mit Tibor B., in der sie auch von einer pädophilen Grenzüberschreitung durch Tibor B. gegenüber ihrem Sohn auf der Alm 2010 berichtete. Davon habe sie dem Mitarbeiter, der die Nachbetreuung in ihrer Familie übernommen hatte, kurz nach Almende 2010 berichtet. Auf Nachfrage sagte dieser, dass er nichts gehört habe, was er als gefährdend für das Kind einstufte.
Diese widersprüchlichen Informationen alarmierten die Verantwortlichen der Sinn-Stiftung. Da Tibor B. in Untersuchungshaft war und damit die Klärung dieser nebulösen und
komplexen Geschichte bei den Schweizer Behörden lag und die Alm-Mutter dort ausgesagt hatte, entschlossen sich die Verantwortlichen der Sinn-Stiftung, die Aufklärung ganz der Schweizer Justiz in die Hand zu geben. Von einer eigenständigen Befragung von Kindern und Eltern des damaligen Almprojektes während des laufenden Verfahrens wurde uns seitens der Rechtsberatung und der Traumaexperten abgeraten. Die Behörden kamen im Rahmen ihrer Klärung zu keinem Zeitpunkt auf die Sinn-Stiftung zu.
3. Am 13.3. 2013 erfuhren wir leider erst durch die Presse, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Tibor B.abgeschlossen sind. In der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft wird Tibor B. schwerwiegender pädophiler Vergehen beschuldigt. Vor diesem Hintergrund erschienen die Geschehnisse auf der Alm und danach in einem völlig anderen Licht. Da es nun eine öffentliche Anklage gab, entschieden wir uns, jetzt an Eltern und Mitarbeiter offen heranzutreten. Im Zuge dieser Gespräche erfuhren wir Einzelheiten, die uns jetzt zu der Einschätzung gebracht haben, dass es auf der Alm 2010 bei mindestens einem Kind tatsächlich zu pädophilen Übergriffen gekommen war.
Die juristische Aufklärung und die hoffentlich baldige Verurteilung von Tibor B. liegen jetzt in der Zuständigkeit des Gerichtes. Wir werden weiterhin dazu beitragen, noch immer offenen Fragen nachzugehen, die wir weiter klären und transparent weitergeben werden.
Und ein paar Hintergrundinformationen:
· Da wir immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert werden, dass Tibor B. in manchen Nächten als einziger Betreuer in der Hütte mit Kindern war, wollen wir klarstellen, dass sich Tibor B. und die Kollegin mit der nächtlichen Aufsicht abgewechselt haben. Dies ist in stationären Kindereinrichtungen üblich und erlaubt.
An freien Tagen einer Betreuungsperson kam eine Vertretung hinzu. Bei Intensivpädagogischen Maßnahmen (§35a etc.) ist eine 1:1-Betreuung und dabei oftmals ein Aufenthalt in der Natur z.B. von Jugendämtern gewünscht, bewilligt und finanziert.
· Präventionsmaßnahmen: B. galt als guter Pädagoge, erhielt in der Schweiz Preise für seine Arbeit. Wir überprüften dennoch im Rahmen unserer strengen Qualitätsstandards für Betreuer von Projekten seine Eignung und Person. So verlangten wir nicht nur ein Führungszeugnis und ein ausführliches Bewerbungsportfolio über seine bisherigen Tätigkeiten und seine pädagogische Haltung, sondern B. nahm auch an zwei je dreitägigen Vorbereitungsworkshops und einem Klausurtag teil. Hier wurde die Thematik von emotional-sozialer und sexueller Grenzüberschreitung sowie Missbrauch und Gewalt an Kindern und dessen Prävention in einer Extraeinheit ausführlich thematisiert. Der für die Schulung zuständige Mitarbeiter machte auch einen Hausbesuch bei ihm. Es fanden kontinuierlich intensive Reflexionsgespräche statt.
Wir werden ab sofort in den mit der Sinn-Stiftung verbundenen Projekten mehr präventive Maßnahmen ergreifen, um in Zukunft die Kinder und Jugendlichen dort vor Missbrauch zu schützen. Zum einen fordern wir, dass alle Erwachsenen, die mit den Kindern zu tun haben, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen, zum andern haben wir gemeinsam mit dem uns beratenden Traumatherapeuten ein Fortbildungsangebot zu diesem Themenkreis entwickelt, das wir den Projekten, die mit uns zusammenarbeiten, anbieten.
· DVD mit Tibor B: Es gab eine Filmaufnahme eines Vortrags von Gerald Hüther mit einem Beitrag von Tibor B. vom 14.10.2010 als Teil einer vierteiligen Edition „Vorzeigeprojekte für unserer Gesellschaft“ verlegt von AV1 Film+Multimedia.
Entsprechend unserer Entscheidung, Tibor B. bis zur Klärung der Verdächtigung aus dem Team zu nehmen, zog die Firma auch die DVD mit dem Beitrag von Tibor B. zurück.
· Presseinformationen: Die Medienstelle der Kantonspolizei Bern ist für die Information der Presse zuständig und hat den aktuellen Stand.
Dies ist der Stand unseres Wissens zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Wir können an dieser Stelle nur unser tiefstes Bedauern über die Tatsache zum Ausdruck bringen, dass es trotz aller Vorsorgemaßnahmen im Rahmen des Almprojektes 2010 zu diesen Übergriffen gekommen ist.
Zusammen mit dem Präsidenten der Sinn-Stiftung, Gerald Hüther, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Ursachen zu klären, die diese pädophilen Übergriffe ermöglicht haben, und um die betreffenden Familien und ihre Kinder in dieser schwierigen
Situation zu unterstützen und vor weiteren Belastungen zu schützen.
Wir werden intensiv an geeigneten Verfahren und Maßnahmen arbeiten, um künftig für Kinder ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich ohne Gefährdung frei entfalten können.

28.03.2013, München
Adelheid Tlach-Eickhoff
Christian Rauschenfels
Kontakt: info@sinn-stiftung.eu
http://sinn-stiftung.eu/
Presseinformationen: Medienstelle der Kantonspolizei Bern: infostelle@police.be.ch

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