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Sexuelle Gewalttäter

Tv- Beitrag auf 3SAT zum Thema Gewalt: Wie entsteht sie, kann mann/frau das Böse erkennen?

Täter ohne Reue

In der Traumaarbeit haben wir mittlerweile gelernt, dass exessives konfrontieren mit dem Trauma eher retraumatisierend ist, als hilfreich. Erst wenn Betroffene ausreichend stabilisiert sind, kann mann/frau, zwecks Integration, an die Konfrontation herangehen.

In der Arbeit mit sexuellen Gewalttätern verhält es sich ähnlich! Auch wenn die erzeugte Dynamik eine Andere ist.

Konfrontiert mann/frau diese Täter mit ihren Taten, lässt sie erzählen, oft bis ins kleinste Detail, immer wieder mit der Absicht ihnen ihre Taten vor Augen zuführen, vielleicht um Empathie für ihre Opfer zu erzeugen, passiert im Innern des Täters etwas ganz anderes. Vor ihrem geistigen Auge erleben diese Menschen ihre Tat von neuem und auch die dazu gehörenden Gefühle. Es ist, als würden sie erneut tätig.

In dem Beitrag gibt es eine Szene mit einem Tagebuch eines Täters, welches dies sehr gut dokumentiert.

Der Beitrag spart Frauengewalt komplett aus und einige Thesen weisen daraufhin, dass Gewalt doch männlich ist. Unsere täglichen Erfahrungen mit unserer Klientel zeichnen ein anderes Bild.

Die Sehnsucht des Menschen die Gewalt zu erkennen, am Besten bereits im Vorfeld, dem Bösen ein Gesicht zu geben ist gross und verständlich. Doch wir vergessen eins, bzw. sind uns dessen nicht bewusst, ein Täter ist nicht nur Täter, 24/24 und 7/7, sondern auch Arbeitskollege, Nachbar, Partner, Polizist, Trainer oder Vater, Mutter und Lehrerin oder Ärztin.

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Legitimation der Täterarbeit

Auszug aus einem Artikel:

Täterarbeit ist Teil des Opferschutzes

Nach fast zehn Jahren Erfahrung in der Gewaltberatung wird deutlich, dass Täterarbeit zu einem wichtigen Baustein des Opferschutzes geworden. Das Opfer vor weiteren Gewalterfahrungen zu schützen, ist oberstes Ziel der Arbeit.  

Darüber hinaus gelingt es durch die annehmende und begleitende Haltung immer wieder, Männer zu befähigen, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. So lernen sie, die Grenzen anderer zu respektieren und können die Gewalt beenden. Dadurch erfahren sie, wie lohnenswert es ist, ihr eigenes Potenzial für die Gestaltung und nicht für die Zerstörung von Beziehungen zu nutzen.

Wenn vor etlichen Jahren eine Reihe Männer angetreten sind, um Täterarbeit anzubieten, sahen sie sich nicht nur mit den eigentlichen Tätern konfrontiert, sondern auch mit den, in Opferberatungsstellen, tätigen Profis. Täterarbeit hiess damals und zum Teil auch heute noch, Arbeit mit gewalttätigen Männern. Unter Arbeit wurde verstanden, die gewaltätigen Männer überhaupt einmal in Beratung zu bringen, bzw. sie zu zwingen. Das Bild des gewalttätigen Menschen, heute, wie damals, ist das, überwiegend, eines Mannes, der einerseits therapieresistent ist und anderseits Beratung/Therapie grundsätzlich ablehnt. Aus dieser Haltung und Idee entstanden die Täterprogramme und die opferorientierte Tätertherapie. Der Mann war der Böse und musste bekämpft werden.

In solch einem Umfeld Täterarbeit anzubieten, war sehr fragwürdig und man(n) landete schnell selbst in der Täterecke. Man(n) ersann diesen Slogan, um die Täterarbeit saloonfähig zu machen und gesellschaftlich anerkannt und gefördert zu werden. Wahrscheinlich war das auch nötig, um überhaupt in die Gänge zu kommen und/oder die Initiatoren haben es damals so verstanden!?

Für mich klingt das in etwa so, als ob Täterarbeit nur gemacht werden darf, weil es dem Opfer hilft. Würde es das nicht tun, gäbe es keinen Grund oder keine Legitimation, Täterarbeit anzubieten.

Ich persönlich brauche diese Legitimation nicht, um mit Männern und Frauen an ihrem Gewaltproblem zu arbeiten. Für mich ist Täterarbeit, eine eigenständige Beratungs- und Therapieform, die Menschen hilft ihre Gewalt zu beenden. Gewalttäter_innen leiden unter ihren Taten und den daraus resultierenden Folgen. Also um auf die obenstehende Aussage zurück zukommen, heisst es nicht [Darüber hinaus gelingt es…], sondern es ist meine/unsere eigentliche Arbeit mit gewalttätigen Menschen, deren Selbstwahrnehmung in Gang zu setzen und zu schärfen, sie zu befähigen ihre Gefühle wahrzunehmen und oftmals eine Sprache zu entwickeln, um diese auszudrücken, nebst den obengenannten Zielen und Themen.

[ Das Opfer vor weiteren Gewalterfahrungen zu schützen, ist oberstes Ziel der Arbeit.]

Mein oberstes Ziel ist es, dem gewalttätigen Menschen die Verantwortung über sein zukünftiges Handeln zu belassen und die Veranwortungsübernahme für sein Tun zu fördern und ihm Handwerkzeug an die Hand zu geben, damit er das schafft.

Hier können sie den ganzen Artikel, bzw. das ganze Heft lesen:

http://www.bistum-muenster.de/downloads/Seelsorge/2014/20141124_US_Dez2014.pdf

Vielleicht äußert sich, die/der eine oder andere dazu!?

Eine Ohrfeige

Auf fb verfolgte ich eine Diskusion über Gewalt gegenüber Kindern; es war die Rede von Ohrfeigen, die noch keinem geschadet hätten. Dabei tauchte, wie üblich die Frage auf:“ Was ist überhaupt Gewalt, also ab wann kann mann/frau von Gewalt sprechen?

Einer der Beteiligten meinte ganz klar, dass eine Ohrfeige keine Gewalt sei!

Dem möchte ich hier vehement widersprechen  und eine Definition von körperlicher Gewalt anführen.

Gewalt ist die Androhung und/oder Verletzung der körperlichen Integrität des Gegenübers. Gewalt ist ein Verstoß gegen das Recht jedes Menschen auf körperliche und seelische Unversehrtheit. EuRiT®

Die Wirkung von Gewalt ist Demütigung und Erniedrigung und dies gilt in einem besonderen Maße für die Ohrfeige unabhängig von der Intensivität des Schlages. Das Gesicht eines Menschen ist sozusagen die Eintrittspforte zu unserer Identität und Persönlichkeit und ist daher schnell verwundbar.

Bei Kindern kommt dies noch mehr zum Tragen, da ihre Persönlichkeit noch im Aufbau ist. Desweiteren ist die Verletzung gravierender, je näher die schlagende Person dem Kind steht. Das Kind hat ein ausgeprägtes egozentrisches Denken, ist dem Alter geschuldet, d.h. es bezieht alles auf sich, in diesem Fall, die Ohrfeige, und sagt sich – ich bin schuld – der schlagende Erwachsene tut sein übriges.

Hinzu kommt, dass das Kind mit dem Aggressor zusammenleben muss und so behilft es sich das Kind, indem es den Aggressor so zusagen verinnerlicht und sich als böse und/oder schuldig erlebt und die schlagende Person, wird wieder die „Gute“. Dass ein Kind, mit solch einem Bild von sich selbst, früher und/oder später Schwierigkeiten bekommt leuchtet jedem ein.

Ein Wort noch zu den Täter_innen. Die meisten Ohrfeigen erhalten Kinder von überforderten, hilflosen und/oder verzweifelten Bezugspersonen, meistens halt den Eltern. Es gilt auch hier der Grundsatz, dass es an den Erwachsenen liegt; sie tragen die Verantwortung, nicht das Kind. Solche Eltern können sich Hilfe holen, für Entlastung sorgen.

Schweigen!?

Wieso schweigen Betroffene von körperlicher und sexueller Gewalt? Was steckt dahinter, dass diese oft Jahrzehnte lang die Täter_innen „schützen „.

Dies hat mehrere Gründe; zum einen liegt das an den Betroffenen und zum anderen an den Tätern und zu guter letzt an uns allen.

Die Betroffenen, meist Kinder, werden von dem/der Täter_in für Ihr Tun verantwortlich gemacht. Damit häusliche Gewalt stattfinden kann, braucht der Täter den Schutz vor der Öffentlichkeit. Er/sie kann nur im Verborgenen seine/ihre Taten verbringen. Die Betroffenen zum Schweigen zu bringen gelingt am sichersten, in dem mann/frau dafür sorgt, dass sich die Betroffenen selbst in der Schuld sehen und erleben – und schweigen. „Du hast dich nie gewehrt, du wolltest es doch auch.“

Da bei familiärer Gewalt auch immer Mittäter_innen mitagieren sind die Betroffenen isoliert und alleine. Auch die übrigen Familienmitglieder ziehen die Kinder zur Verantwortung. Durch ihre Offenlegung der Tat, zerbricht (oft) die Familie. Der/die Täter _in kommt ins Gefängnis, die finanzielle Versorgung der Familie ist in Gefahr; die Familie wird stigmatisiert und die Ehe, bzw. Partnerschaft zerbricht. Diese Schuld will niemand tragen. Durch das Schweigen und das Leiden eines Einzelnen kann die Familie weiter existieren. Und dies sind immer die Kleinsten und Schwächsten – unsere Kinder.

Die Täter_innen erreichen dies, in dem sie in die kaum vorhandene Persönlichkeit der Kinder infiltrieren und dort ihre eigenen Gedanken, Wünsche, Wertvorstellungen und Normen implantieren, so dass das Kind nicht mehr unterscheiden kann, was kommt noch von mir und was ist vom Täter. Bei Erwachsenen würde mann/frau von Gehirnwäsche reden. In der Medizin und bei PC’s kennen wir ein solches Vorgehen von Viren.
Andere Täter gebrauchen zusätzlich körperliche Gewalt. Sie entmenschlichen ihr Gegenüber und sehen in dem Kind, dem Mann, der Frau ein Objekt, welches sie gebrauchen.

Letztlich sind wir es alle, die dazu beitragen, dass sexuelle und andere Gewaltformen dermaßen verteufelt werden, dass solch ein Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet wird. Es ist ein Bumerang, der uns und den Betroffenen das Genick bricht. Die Betroffenen schweigen aus Scham, die Mittäter_innen aus Angst und die Täter_innen aus Beidem. Und wir? Wir schweigen, weil wir die Verantwortung bei einer Fehleinschätzung kaum tragen wollen/können.

Die Bewertung der Gesellschaft verschärft das Problem, anstatt es zu lösen, ähnlich der Dynamik bei der Todesstrafe. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß der/die Täter_in ihr Opfer anschließend tötet.

Täterarbeit muss gesellschaftsfähig werden. Täter sollen ermutigt werden entsprechend ausgebildete Berater und Therapeuten aufzusuchen, um ihre Gewalt beenden zu können und den Gewaltkreislauf zu verlassen.

http://www.euline.eu

http://www.eupax.eu

Gewalt gegen ältere Menschen

Gewalt in der Pflege; Gewalt gegen ältere Menschen.

Ein Thema, dem in den Ausbildungen( Altenpfleger_in und oder Krankenpfleger_in) keinerlei Zeit gewidmet wird und selten erwähnt wird. Gewalt gegen ältere Menschen findet sowohl im privaten, wie im professionellen Bereich statt.
Die Pflegenden sind überfordert, sei es aus persönlichen oder institutionellen Gründen. Ihre Achtsamkeit sich selbst gegenüber tendiert gegen Null – sie merken und fühlen wenig bis nichts und nehmen die täglichen Belastungen als gegeben hin. Ihre Aufmerksamkeit ist dagegen (fast) ausschliesslich bei den Anderen.
Sie empfinden sich als hilflos und ohnmächtig. „Ich kann nichts ändern, das System ist stärker, mir sind die Hände gebunden!“

Abschließend machen sie ihr Gegenüber für ihre Misere verantwortlich und bekämpfen, in diesem Fall, die alten Leute, deren Pflege mitunter sehr anspruchsvoll ist.

Das Video, welches mich zu diesem Posting verleitet hat, könnt ihr euch auf meiner fb- Seite PhaEmoPraxis Lëtzebuerg ansehen.

http://www.facebook.com/phaemopraxis.letzebuerg

Selbstanzeige!?

Dieser Tage hat sich ein luxemburgischer Priester, wegen sexuellen Missbrauch an einem Mädchen, selbst angezeigt. Die Tat liegt 6 Jahre zurück und nun ermittelt die Justiz. Die luxemburgische Kirche hat den Priester sämtlicher Funktionen enthoben und schweigt.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt ist:“ Was passiert mit dem Täter?“ – „Oder, was tut der Täter nun?“

Die Justiz ermittelt, der Mann wird angeklagt und das Gericht spricht ein Urteil.

Aber der Mann hat ein Problem, welches weder die Kirche noch die Justiz werden lösen können! Er übt(e) sexuelle Gewalt gegen ein, seiner Zeit, minderjähriges Mädchen aus und ohne Hilfe und Unterstützung ist er geneigt es wieder zu tun.

Es macht für alle Beteiligte Sinn, dass der Täter angeklagt und verurteilt wird und seine Strafe verbüsst. Doch wie alle, hat diese Medaille auch zwei Seiten.

Wer betreut/ behandelt hier in Luxemburg sexuelle Gewalttäter? Und wird der Mann sich an geeignete Stellen wenden, damit er Hilfe bekommt? Und welche Rolle wird die Kirche dabei spielen?

Der Mann hat sich selbst angezeigt; im Beratungskontext sprechen wir von Selbstmeldern. Ein Ziel der Beratung/Therapie kann sein, dass sich die Täter_innen selbst anzeigen. Dieser Mann hat das bereits getan. Nach Abtragen seiner gesellschaftlichen Schuld(gesetzliche Strafe) steht eine persönliche Arbeit an.

Täterarbeit – die Arbeit an der Tat.

http://www.euline.eu

http://www.eupax.eu

 

Sicht der Dinge

 

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Das Zitat von Tchich Naht Hanh, ein buddhistischer Mönch, spiegelt meine Haltung gegenüber gewalttätigen Menschen wieder.

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass gewalttätige Menschen Gewalt ausüben um Macht zu erlangen, aufrecht zu erhalten oder auszubauen, erlebe ich diese Menschen, als Notleidende Wesen, die versuchen ihr Leid zu verringern.

Zugegeben, sie tun dies auf eine Art und Weise, die falsch und so mit nicht in Ordnung ist. Sie kränken und verletzen andere Menschen, die mit ihrem Leid und ihrer Not nichts zu tun haben. Auch ist klar, dass sie damit aufhören müssen. Diese Sichtweise dient der Herangehensweise  an Gewalttäter_innen um ihnen zu helfen ihre Gewalt zu beenden. Doch dazu ist es hilfreich Gewalttäter_innen zu verstehen.

Und das ist möglich. In dieser Haltung kann ich mit Täter_innen arbeiten und die mit mir. Dies ist unser Beitrag zur Befriedung der Welt.