Schlagwort-Archive: Frauengewalt

Männer, als Betroffene

Wir bedanken uns bei Sven Schmalz vom Internetradiosender “Radioaktiv Lübeck“, der ein Interview von knapp einer Viertelstunde mit einem Mitglied unserer Initiative zur Gewaltschutzwohnung, dem Männerberatungsnetzwerk und unsererer Organisation aufzeichnete und heute um 14 Uhr senden wird. Darüberhinaus kann das Interview unter diesem Link abgerufen werden. Herzlichen Dank! __ Unter diesem Link können Sie unsere […]

über Radioaktiv Lübeck veröffentlicht Interview — Gleichmaß e.V.

Zahlen zur häuslichen Gewalt

Der jährliche Bericht über häusliche Gewalt liegt vor; eigentlich müsste mann/frau einschränkend sagen, über häusliche Gewalt aus dem Hellfeld.

Ebenfalls erlauben uns die Zahlen häusliche Gewalt differenzierter zu betrachten. Letztes Jahr wurden 242 Wegweisungen verfügt, die sich wie folgt aufteilen:

12x wurde ein gewalttätiges Kind weggewiesen, welches gegenüber einem Erwachsenen tätig wurde.

5x war dies für einen Erwachsenen gegenüber einem Kind, der Fall.

222x wurde ein Erwachsener gegenüber seinem Partner gewalttätig und wurde weggewiesen. In der Mehrzahl dieser Übergriffe war der Täter ein Mann.

Es bleibt anzumerken, dass diese Statistik 10% der Gewalttaten erfaßt. Über die Dunkelziffer, die logischerweise den höheren Anteil ausmacht, wird dagegen keine einzige Silbe verloren.

Hier detaillierter nachzulesen:

Bericht Häusliche Gewalt 2015

Ursachenforschung

Immer, wenn von Gewalt die Rede ist, taucht die Frage nach dem warum auf!? Aus verständlichen Gründen, natürlich. Wir Menschen bedürfen für unseren inneren Frieden Antworten auf Fragen, die uns beschäftigen.

Meine Kollegen und ich vertreten die Meinung, daß Menschen gewalttätig werden, wenn sie mit ihren Strategien und ihrer Sprache am Ende sind. „Ich weiß meinen Händen keinen Rat mehr.“ – sagt ein luxemburgisches Sprichwort. Sie können sich nicht (mehr) mitteilen.

Männern werden im allgemeinen Macht und Kontrolle unterstellt, wenn sie gewalttätig geworden sind. Frauen dagegen Hilflosigkeit und Frust.

Ich glaube, daß es hier bei den Geschlechtern keine wesentlichen Unterschiede gibt; Hilflosigkeit, Ohnmacht* und Verzweiflung sind die treibenden Kräfte, die uns an den Rand unserer Möglichkeiten treiben.

In der aktuellen Ausgabe finden sie hierzu einen Artikel:

Psychologie Heute

*= Ohnmacht bedeutet Einflußlosigkeit, das Verlieren vom Bewußtsein. Macht bezieht sich demnach auf die Macht, welche mann/frau selbst über seinen Körper hat, bzw. nicht mehr hat.

Die Versuchung ist natürlich groß Ohnmacht, als Ohn(e)macht auf andere zu interpretieren. Als eine Macht, welche mann/frau auf jemanden ausgeübt hat und die mann/frau verloren hat und die mann/frau sich nun mit Gewalt zurück nehmen will.

10 Jahre Euline – Gewalthotline

Wolfsburg. Der europäische Fachverband für Gewaltberatung und Tätertherapie eupax feierte 2014 das 10-jährige Bestehen seiner Gewalthotline.
In der Auswertung der jahrelangen Arbeit wird die Bedeutsamkeit für die Beendigung von Gewalt und damit für einen nachhaltigen Opferschutz deutlich. Die Wahrung der Anonymität der Anrufer und die professionelle und kompetente Erstberatung am Telefon ermöglichen einen Einstieg in eine weitergehende Begleitung durch eine regionale Beratungsstelle. Wirksamer Opferschutz setzt somit bei den Verursachern von Gewalt an: den Menschen, die Gewalt ausüben.

Im Rahmen dieses Jubiläums treffen sich Mitglieder der eupax mit Vertretern_innen der Justiz in Wolfsburg zu einem Fachgespräch. Thema der Veranstaltung ist ¨Entwicklung oder Stillstand – Gewalt verhindern¨. Hier sollen Möglichkeiten des Zusammenspiels von justizieller Sanktionierung und der Befähigung zur Veränderung durch professionelle Beratung und Therapie von Tätern_innen dargestellt und erörtert werden.

Dass häusliche Gewalt auch Jahre nach umfangreichen Gesetzesänderungen im gesamten deutschsprachigen Raum Europas nach wie vor ein drängendes Problem ist, zeigt die jüngst erschienene europaweite Studie zur geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen (Agentur der europäischen Union für Grundrechte, FRA, 2012).
Nach dieser Erhebung haben ca. 33 % aller europäischen Frauen seit ihrer Jugend mindestens einmal körperliche Gewalt erlebt. 22 Prozent aller Befragten gaben an, körperliche oder sexuelle Gewalt durch den Partner erfahren zu haben.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich nur 15 Prozent der Opfer von Gewalt an die Polizei wenden. Ein Großteil der Gewalt im Bekannten-, Freundes- und Familienkreis bleibt weitestgehend im Dunklen. Unberücksichtigt bleiben in dieser Erhebung die männlichen Opfer von Gewalt, die in zunehmendem Maße auch von Frauen gegen ihre Partner ausgeübt wird.
Dass viele dieser Täter_innen bereit sind, aus ihrem gewalttätigen Verhalten auszusteigen, zeigt die Erfahrung der Täterhotline. In 90% der Fälle erfolgt über sie eine Vermittlung an Gewaltberatungsstellen, die die Klienten befähigen, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

18.11.2009 – Die Zeit – Männerhaus: Ein Ort für geschlagene Männer

teampago

Männerhaus

Ein Ort für geschlagene Männer

In Brandenburg steht das erste Männerhaus, das kaum einer kennt. Zwei von den Frauen enttäuschte Rentner kümmern sich um die misshandelten Männer.

von Çiğdem Akyol

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Mythen über Gewalt – unvollständig und erweiterungswillig

1. Gewalt ist männlich

Dieses Mythos ist allgegenwärtig und hält sich hartnäckig. Wir Männer nähren diese Sichtweise, in dem wir uns als Opfer selten zu erkennen geben.

Ebenfalls wird die sogenannte „Pädophilie“ exklusiv uns Männern zugeschrieben.

2. Der Sinn von Gewalt ist Macht

Männer üben Gewalt aus, um ihre Macht über Frauen herzustellen, zu erhalten und/oder zu erhöhen. Wie Machtvoll ist den jemand, der seine Macht durch Gewalt erzwingen oder herstellen muss? Die wenigsten Männer prahlen damit, ihre Frau verprügelt zu haben.

3. Sexuelle Gewalt hat was mit Sexualität zu tun

Sexuelle Gewalt dient der sexuellen Befriedigung des Täters und ist auch deren Triebfeder. Gepaart wird dieses Mythos mit Macht ausüben und Kontrollbedürfniss.

4. Erziehung von Kindern bedarf der körperlichen Züchtigung

“ Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet! “ Ein Mythos, welches gerade im Augenblick, erneut traurigen Zuspruch durch den gegenwärtigen Pabst erfährt.

5. Gewalt macht Sinn

Gewalt ist notwendig – manche Menschen verstehen halt keine andere Sprache.

6. Ich hab nichts gemacht

“ Der oder die hat mich provoziert! “ – “ Wenn die oder der nicht jenes oder das gemacht/gesagt hätten, hätte ich nie zugeschlagen. “ Die Verantwortung liegt bei den Anderen, der Situation oder den Umständen.(z. B. Alkoholkonsum)

7. Gewalt hat ein Gesicht

Schläger_innen kann mann/frau an ihrem Äußern erkennen; sie haben Narben in ihrem Gesicht, sind tätowiert und/oder gepierct, tragen Lederkluft, Springerstiefel u.s.w.

8. Frauen machen sowas nicht

Wie oben bereits gesagt, ist Gewalt ein Problem von uns Männern und die Betroffenen sind die Frauen. Gilt dies bereits in Hinblick auf körperliche Gewalt, desto schwerer wiegt der Aberglaube, wenn wir von sexueller Gewalt reden.

9. Pädophilie und sexueller Mißbrauch

Beides sind irreführende Begriffe:

Pädophil bedeutet eigentlich kinderliebend; hier wird erfolgreich suggeriert, daß die Täter_innen aus Liebe zum Kind handeln würden.

Sexueller Mißbrauch suggeriert, daß es auch einen gesunden, richtigen sexuellen Gebrauch von Kindern gibt!

Sexuelle Gewalttäter

Tv- Beitrag auf 3SAT zum Thema Gewalt: Wie entsteht sie, kann mann/frau das Böse erkennen?

Täter ohne Reue

In der Traumaarbeit haben wir mittlerweile gelernt, dass exessives konfrontieren mit dem Trauma eher retraumatisierend ist, als hilfreich. Erst wenn Betroffene ausreichend stabilisiert sind, kann mann/frau, zwecks Integration, an die Konfrontation herangehen.

In der Arbeit mit sexuellen Gewalttätern verhält es sich ähnlich! Auch wenn die erzeugte Dynamik eine Andere ist.

Konfrontiert mann/frau diese Täter mit ihren Taten, lässt sie erzählen, oft bis ins kleinste Detail, immer wieder mit der Absicht ihnen ihre Taten vor Augen zuführen, vielleicht um Empathie für ihre Opfer zu erzeugen, passiert im Innern des Täters etwas ganz anderes. Vor ihrem geistigen Auge erleben diese Menschen ihre Tat von neuem und auch die dazu gehörenden Gefühle. Es ist, als würden sie erneut tätig.

In dem Beitrag gibt es eine Szene mit einem Tagebuch eines Täters, welches dies sehr gut dokumentiert.

Der Beitrag spart Frauengewalt komplett aus und einige Thesen weisen daraufhin, dass Gewalt doch männlich ist. Unsere täglichen Erfahrungen mit unserer Klientel zeichnen ein anderes Bild.

Die Sehnsucht des Menschen die Gewalt zu erkennen, am Besten bereits im Vorfeld, dem Bösen ein Gesicht zu geben ist gross und verständlich. Doch wir vergessen eins, bzw. sind uns dessen nicht bewusst, ein Täter ist nicht nur Täter, 24/24 und 7/7, sondern auch Arbeitskollege, Nachbar, Partner, Polizist, Trainer oder Vater, Mutter und Lehrerin oder Ärztin.