Schlagwort-Archive: Hilflosigkeit

Ursachenforschung

Immer, wenn von Gewalt die Rede ist, taucht die Frage nach dem warum auf!? Aus verständlichen Gründen, natürlich. Wir Menschen bedürfen für unseren inneren Frieden Antworten auf Fragen, die uns beschäftigen.

Meine Kollegen und ich vertreten die Meinung, daß Menschen gewalttätig werden, wenn sie mit ihren Strategien und ihrer Sprache am Ende sind. „Ich weiß meinen Händen keinen Rat mehr.“ – sagt ein luxemburgisches Sprichwort. Sie können sich nicht (mehr) mitteilen.

Männern werden im allgemeinen Macht und Kontrolle unterstellt, wenn sie gewalttätig geworden sind. Frauen dagegen Hilflosigkeit und Frust.

Ich glaube, daß es hier bei den Geschlechtern keine wesentlichen Unterschiede gibt; Hilflosigkeit, Ohnmacht* und Verzweiflung sind die treibenden Kräfte, die uns an den Rand unserer Möglichkeiten treiben.

In der aktuellen Ausgabe finden sie hierzu einen Artikel:

Psychologie Heute

*= Ohnmacht bedeutet Einflußlosigkeit, das Verlieren vom Bewußtsein. Macht bezieht sich demnach auf die Macht, welche mann/frau selbst über seinen Körper hat, bzw. nicht mehr hat.

Die Versuchung ist natürlich groß Ohnmacht, als Ohn(e)macht auf andere zu interpretieren. Als eine Macht, welche mann/frau auf jemanden ausgeübt hat und die mann/frau verloren hat und die mann/frau sich nun mit Gewalt zurück nehmen will.

Eine Ohrfeige

Auf fb verfolgte ich eine Diskusion über Gewalt gegenüber Kindern; es war die Rede von Ohrfeigen, die noch keinem geschadet hätten. Dabei tauchte, wie üblich die Frage auf:“ Was ist überhaupt Gewalt, also ab wann kann mann/frau von Gewalt sprechen?

Einer der Beteiligten meinte ganz klar, dass eine Ohrfeige keine Gewalt sei!

Dem möchte ich hier vehement widersprechen  und eine Definition von körperlicher Gewalt anführen.

Gewalt ist die Androhung und/oder Verletzung der körperlichen Integrität des Gegenübers. Gewalt ist ein Verstoß gegen das Recht jedes Menschen auf körperliche und seelische Unversehrtheit. EuRiT®

Die Wirkung von Gewalt ist Demütigung und Erniedrigung und dies gilt in einem besonderen Maße für die Ohrfeige unabhängig von der Intensivität des Schlages. Das Gesicht eines Menschen ist sozusagen die Eintrittspforte zu unserer Identität und Persönlichkeit und ist daher schnell verwundbar.

Bei Kindern kommt dies noch mehr zum Tragen, da ihre Persönlichkeit noch im Aufbau ist. Desweiteren ist die Verletzung gravierender, je näher die schlagende Person dem Kind steht. Das Kind hat ein ausgeprägtes egozentrisches Denken, ist dem Alter geschuldet, d.h. es bezieht alles auf sich, in diesem Fall, die Ohrfeige, und sagt sich – ich bin schuld – der schlagende Erwachsene tut sein übriges.

Hinzu kommt, dass das Kind mit dem Aggressor zusammenleben muss und so behilft es sich das Kind, indem es den Aggressor so zusagen verinnerlicht und sich als böse und/oder schuldig erlebt und die schlagende Person, wird wieder die „Gute“. Dass ein Kind, mit solch einem Bild von sich selbst, früher und/oder später Schwierigkeiten bekommt leuchtet jedem ein.

Ein Wort noch zu den Täter_innen. Die meisten Ohrfeigen erhalten Kinder von überforderten, hilflosen und/oder verzweifelten Bezugspersonen, meistens halt den Eltern. Es gilt auch hier der Grundsatz, dass es an den Erwachsenen liegt; sie tragen die Verantwortung, nicht das Kind. Solche Eltern können sich Hilfe holen, für Entlastung sorgen.

Gewalt gegen ältere Menschen

Gewalt in der Pflege; Gewalt gegen ältere Menschen.

Ein Thema, dem in den Ausbildungen( Altenpfleger_in und oder Krankenpfleger_in) keinerlei Zeit gewidmet wird und selten erwähnt wird. Gewalt gegen ältere Menschen findet sowohl im privaten, wie im professionellen Bereich statt.
Die Pflegenden sind überfordert, sei es aus persönlichen oder institutionellen Gründen. Ihre Achtsamkeit sich selbst gegenüber tendiert gegen Null – sie merken und fühlen wenig bis nichts und nehmen die täglichen Belastungen als gegeben hin. Ihre Aufmerksamkeit ist dagegen (fast) ausschliesslich bei den Anderen.
Sie empfinden sich als hilflos und ohnmächtig. „Ich kann nichts ändern, das System ist stärker, mir sind die Hände gebunden!“

Abschließend machen sie ihr Gegenüber für ihre Misere verantwortlich und bekämpfen, in diesem Fall, die alten Leute, deren Pflege mitunter sehr anspruchsvoll ist.

Das Video, welches mich zu diesem Posting verleitet hat, könnt ihr euch auf meiner fb- Seite PhaEmoPraxis Lëtzebuerg ansehen.

http://www.facebook.com/phaemopraxis.letzebuerg

Sicht der Dinge

 

image

 

 

 

 

 

 

 

Das Zitat von Tchich Naht Hanh, ein buddhistischer Mönch, spiegelt meine Haltung gegenüber gewalttätigen Menschen wieder.

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass gewalttätige Menschen Gewalt ausüben um Macht zu erlangen, aufrecht zu erhalten oder auszubauen, erlebe ich diese Menschen, als Notleidende Wesen, die versuchen ihr Leid zu verringern.

Zugegeben, sie tun dies auf eine Art und Weise, die falsch und so mit nicht in Ordnung ist. Sie kränken und verletzen andere Menschen, die mit ihrem Leid und ihrer Not nichts zu tun haben. Auch ist klar, dass sie damit aufhören müssen. Diese Sichtweise dient der Herangehensweise  an Gewalttäter_innen um ihnen zu helfen ihre Gewalt zu beenden. Doch dazu ist es hilfreich Gewalttäter_innen zu verstehen.

Und das ist möglich. In dieser Haltung kann ich mit Täter_innen arbeiten und die mit mir. Dies ist unser Beitrag zur Befriedung der Welt.

 

Ich brauche Hilfe, ich bin gewalttätig

Die seit 2005, als dauerhaftes Angebot, funktionnierende internationale Täterhotline – EULINE -für gewalttätige Menschen, hat seine Telefonnummer geändert. Die alte Nummer 90077-439258 ist nicht mehr geschaltet und somit nicht mehr erreichbar.

Völlig anonym kannst du dich, mit deinem Gewaltproblem, an der neuen Telefonnummer 26 62 12 11 informieren und beraten lassen. Deine letzte Tat ist noch frisch; du weisst, dass du etwas falsch gemacht hast und schämst dich deswegen. Du fragst dich, wie konnte das passieren, wie konntest du dich so gehen lassen? Was dich jetzt im Einzelnen zum Ausflippen gebracht hat, weiss du nicht mal mehr. Du bist traurig und schwörst dir und deinem Opfer, dass das nie wieder passieren wird. Du und dein Gegenüber schweigt euch über die Tat aus.

Nach einiger Zeit, der Zurückhaltung deinerseits, beginnen die Auseinandersetzungen von Neuem. Kaum merklich schleichen sich alte bekannte Ideen ein; sie/er provoziert, sie/er weiss doch ganz genau, dass… wieviel male hab ich ihr/ihm das schon gesagt! oder so ähnlich.

Du kannst dir anders nicht mehr helfen – du bist ohnmächtig und hilflos. Sie/er macht dich hilfslos und ohnmächtig. Du produzierst Wut und Zorn, gibst die Verantwortung ab und packst sie/ihn, schubst und/oder schlägst erneut zu.

Oft ist es das erste Mal, dass du dich einem Dritten anvertraust und somit die Scham teilst und die Isolation der häuslichen Gewalt verlässt.

Am Telefon erwarten dich geschulte Telefon- und Gewaltberater, die dich an einen Kollegen vor Ort vermitteln. In der Regel vergehen 2- 3 Tage nach deinem Anruf bis zum Erstgespräch mit einem Berater oder Therapeuten.

Die Euline spricht dich direkt an. Also Frauen und Männer, wie dich, welche bis jetzt nicht auffällig geworden sind, sprich die der Polizei und den Gerichten unbekannt sind.(Dunkelfeld)

Du steckst im Gewaltkreislauf fest und kannst diesen nicht aus eigener Kraft verlassen und willst dennoch mit deiner Gewalt aufhören!?

Dann ruf an; für Luxemburg 26 62 12 11, für Deutschland 01805 43 92 58 oder schickt uns eine Mail: kontakt@euline.eu und/oder besuche uns im Web:

http://www.euline.eu

Gewalt zerstört – Euline hilft

Ein Täter schreibt

Neben der Kontaktaufnahme mit der Euline, der Täterhotline, über´s Telefon, können sie uns ebenfalls per Mail, kontakt@euline.eu , erreichen. Herr F.A. aus W. hat sich an uns, mit folgender Mail, gewendet. Mit seiner Erlaubnis, publiziere ich sie an dieser Stelle.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie um Ihre Hilfe bitten, denn ich habe ein Problem mit gewalttätigen Übergriffen auf meine Ehefrau. Ich werde diese kurz beschreiben: Wir streiten häufig, da wir uns über gewisse häusliche Dinge, so z.B. Ordnung des öfteren uneinig sind. Diese Streits sind in früheren Zeiten oft bis zu stark erhobenen Stimmen und Türenschlagen eskaliert. Zum ersten Mal übergriffig wurde ich im Oktober 2012. Ich war zu der Zeit beruflich stark gestresst, meine Frau mit ihrer Situation zuhause extrem unzufrieden – unsere Tochter war gerade erst knapp sieben Monate alt, meine Frau somit komplett ans Haus gebunden, was ihr nicht gefiel. Der Streit ging über ein Ordnungsthema, meine Frau stellte sich mit Baby unter dem Arm vor mir auf und schrie mir ins Gesicht. Im Reflex gab ich ihr eine Ohrfeige.
Danach folgte ein weiterer Übergriff im Dezember 2012, wiederum eine Ohrfeige. Ich war zu der Zeit beruflich stark gefordert, zugleich extrem unzufrieden in meinem Job und ohne Erfolg auf der Suche nach etwas anderem, was in einer Depression mündete. Im März 2013, nach wiederholten Suizidgedanken und wiederum häufigen heftigen Streitigkeiten – ohne körperliche Übergriffe, aber mit Gewalt gegen Gegenstände – rief meine Frau meine Eltern um Hilfe. (Ihre Mutter ist in den USA und steht deshalb ad hoc nicht zur Verfügung, der Vater ist verstorben). Diese berieten uns. Ich begab mich in eine Therapie und bekam eine schwache Dosis Psychopharmaka verschrieben, die ich inzwischen wieder abgesetzt habe. Darüber hinaus begaben wir uns gemeinsam in Eheberatung.
Der Frühling und der Sommer 2013 brachten infolgedessen vorübergehende Besserungen, was sicher auch daran lag, dass ich meine Arbeitsstelle verlor, eine Zeit lang bezahlten Freistellungsurlaub hatte und mich in der Folge selbständig machte. Es gab keine gewalttätigen Übergriffe bis zum September, als ich nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise – wiederum wegen einer Diskussion über Ordnung – mehrere Tassen und Gläser an die Wand warf und unseren Esstisch umwarf.
Seitdem habe ich mich sehr zusammengenommen, was mir auch meine Frau bestätigt hat und es geht uns insgesamt viel besser als noch vor einem Jahr. Extrem eskalierende Streitigkeiten gibt es fast nicht mehr.
Dennoch kam es vergangene Woche wieder zu körperlichen Übergriffen meinerseits, die heftiger waren als je zuvor. Ich schlug meine Frau mit der Faust, rang sie zu Boden, würgte sie kurz und trat mehrmals auf ihr Gesäß ein. Nach einer Zeit ließ ich von ihr ab und schrie noch eine Weile herum. Unsere Tochter war glücklicherweise im Bett, so dass dies ihr immerhin erspart blieb. Meine Frau hatte große Angst, zog die Konsequenzen und ging mit unsere Tochter in ein Frauenhaus.
Ich war am nächsten Tag schockiert und verstört, sah jedoch zumindest eine Teilschuld bei den Provokationen und Beschimpfungen durch meine Frau. Diese sagte, ich sollte eine Therapie machen. Ich lehnte dies zunächst kategorisch ab, doch dann begann ich nachzudenken, recherchierte im Internet und stieß auf Ihre Seite. Der von Ihnen beschriebene Gewaltkreislauf entspricht exakt der Dynamik meiner Übergriffe. Ich habe deshalb begriffen, dass ich hier allein nicht herauskomme und bitte Sie um Ihre Hilfe. Bitte sagen Sie mir, was ich tun kann!
Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen,

F.A.

Die MännerDepression (Gastblog von Johannes Vennen)

Männer leiden anders und nehmen dieses Leid auch anders wahr, nämlich gar nicht.

Männer im Betrieb.de

COLOURBOX1006640 Kopie
Depressionen gelten mittlerweile als ‚Volkskrankheit‘. Im Jahr 2020 erreichen Depressionen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation den zweiten Platz in der Liste der Krankheiten – gemessen an der Anzahl der beeinträchtigten Lebensjahre. Viele Studien legen den Schluss nahe, dass Frauen ein zwei- bis dreimal so hohes Risiko haben, einmal im Leben depressiv zu werden. Diese Befunde werden im 2010 erschienenen Männergesundheitsbericht kritisch hinterfragt: so sind die Depressionsraten in jüdisch-orthodoxen Gemeinden gleich hoch, weil hier typische männliche Stressbewältigungsstrategien – der Alkoholkonsum – tabuisiert sind. Vergleichbares gilt für streng egalitär organisierten Gesellschaften wie bei den Amish People in den USA.

Zusätzlich gibt es Hinweise für eine systematische Unterdiagnostizierung von Depressionen, insbesondere bei jungen Männern. Laut dem Gesundheitsbericht gibt es ein Geschlechterparadox bei Depressionen und Suizid. Während die Depressionsrate der Männer nur halb so hoch ist wie bei den Frauen, ist die Rate für einen vollendeten Suizid drei- bis zehnmal so hoch. Bei 80 %…

Ursprünglichen Post anzeigen 315 weitere Wörter