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Autobiographie in fünf Kapiteln

Wie Wolfgang B. schrieb: „Der Text hat mich sofort angesprochen, weil ich viele Episoden und Phasen meiner Arbeit mit gewalttätigen Menschen bestens beschrieben sehe.“

Dem schliesse ich mich wortlos an.

Autobiografie in fünf Kapiteln von Portia Nelson

1. Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren… Ich bin hilflos.
Ich bin ohne Hoffung.
Es war nicht meine Schuld.
Es dauert ein ganzes Leben,
da wieder herauszufinden
2. Ich gehe dieselbe Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon
wieder am gleichen Ort zu sein
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange,
herauszukommen.
3. Ich gehe dieselbe Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein….
aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort wieder heraus.
4. Ich gehe dieselbe Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5. Ich gehe eine andere Straße

Alter Mann

„Ich bin ein alter Mann und ich habe viel Schreckliches erlebt, doch das meiste davon ist zum Glück nie eingetreten“

Mark Twain

Je häufiger ich diesen Satz lese, desto bewusster wird mir: “ Mark Twain muss mich gekannt haben! “

Interpretationen und Bewertungen beeinflussen in direkter Weise unser Erleben und unser Verhalten. Somit orientieren wir uns an den Geistern und Dämonen, die wir selber geschaffen haben.

Später wenn sie sich aufgelösst haben, nein das Gebäude ist nicht abgebrannt, denke ich, ja klar und deshalb habe ich mir solch einen Kopf gemacht und schüttele denselben.

Und ich weiss genau, ich werde es wieder tun…

Sinn & Gewalt

“ Gewalt dient der Abwehr von Hilflosigkeit und Ohnmacht, hervorgebracht durch Interpretationen und Bewertung der eigenen Person, des Gegenübers, der Situation und der Umstände. „© (jf)

Hilflosigkeit & Ohnmacht

Auf der Homepage der Jugendorganisation äußert sich deren Bundessprecherin Josi Michalke: „Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie. Hier werden auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmissbrauch mit Pädophilie mit Homosexualität gleichgesetzt. Das ist eine Frechheit.“

Stein des Anstoßes sind folgende Zeilen aus dem Lied, Wo sind, von Xavier Naidoo:

„Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab,
und dann ficke ich euch in den Arsch,
so wie ihr es mit den Kleinen macht.
Ich bin nur traurig und nicht wütend.
Trotzdem würde ich euch töten.
Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten.
Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff.
Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?
Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Unabhängig von der Wortwahl begegnet mir in diesem Lied doch die allgegenwärtige Hilflosigkeit und Ohnmacht bei diesem Thema. :cry:

Hilflosigkeit und Ohnmacht enstehen durch Interpretationen und Bewertung, begleitet von derivaten Gefühlen, hier in diesem Fall von Trauer und Wut. Gefühle, die nichts mit dem eigentlichen Phänomen, sprich Ereignis, zu tun haben und uns dennoch leiten.

Die angekündigte Gewalt dient der Abwehr von Hilflosigkeit und den derivaten Gefühlen.

Der Ruf nach dem Führer wird wieder laut; wir geben unsere Verantwortung an ihn ab und bleiben in unserer Hilflosigkeit gefangen. Er soll’s richten und etwas tun.