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Aggressionen bei Kindern!?

Ärger und Wut sind Gefühle, die zu uns Menschen gehören. Sie zu ächten und/oder zu unterdrücken, beraubt uns unsere Handlungsmöglichkeiten. Wir gehen Konflikten und Auseinandersetzungen aus dem Weg und mißachten unsere Bedürfnisse. Wir schaffen damit eine Grundlage für Gewalt.

Artikel von Jesper Juul

Eine Ohrfeige

Auf fb verfolgte ich eine Diskusion über Gewalt gegenüber Kindern; es war die Rede von Ohrfeigen, die noch keinem geschadet hätten. Dabei tauchte, wie üblich die Frage auf:“ Was ist überhaupt Gewalt, also ab wann kann mann/frau von Gewalt sprechen?

Einer der Beteiligten meinte ganz klar, dass eine Ohrfeige keine Gewalt sei!

Dem möchte ich hier vehement widersprechen  und eine Definition von körperlicher Gewalt anführen.

Gewalt ist die Androhung und/oder Verletzung der körperlichen Integrität des Gegenübers. Gewalt ist ein Verstoß gegen das Recht jedes Menschen auf körperliche und seelische Unversehrtheit. EuRiT®

Die Wirkung von Gewalt ist Demütigung und Erniedrigung und dies gilt in einem besonderen Maße für die Ohrfeige unabhängig von der Intensivität des Schlages. Das Gesicht eines Menschen ist sozusagen die Eintrittspforte zu unserer Identität und Persönlichkeit und ist daher schnell verwundbar.

Bei Kindern kommt dies noch mehr zum Tragen, da ihre Persönlichkeit noch im Aufbau ist. Desweiteren ist die Verletzung gravierender, je näher die schlagende Person dem Kind steht. Das Kind hat ein ausgeprägtes egozentrisches Denken, ist dem Alter geschuldet, d.h. es bezieht alles auf sich, in diesem Fall, die Ohrfeige, und sagt sich – ich bin schuld – der schlagende Erwachsene tut sein übriges.

Hinzu kommt, dass das Kind mit dem Aggressor zusammenleben muss und so behilft es sich das Kind, indem es den Aggressor so zusagen verinnerlicht und sich als böse und/oder schuldig erlebt und die schlagende Person, wird wieder die „Gute“. Dass ein Kind, mit solch einem Bild von sich selbst, früher und/oder später Schwierigkeiten bekommt leuchtet jedem ein.

Ein Wort noch zu den Täter_innen. Die meisten Ohrfeigen erhalten Kinder von überforderten, hilflosen und/oder verzweifelten Bezugspersonen, meistens halt den Eltern. Es gilt auch hier der Grundsatz, dass es an den Erwachsenen liegt; sie tragen die Verantwortung, nicht das Kind. Solche Eltern können sich Hilfe holen, für Entlastung sorgen.

Selbstanzeige!?

Dieser Tage hat sich ein luxemburgischer Priester, wegen sexuellen Missbrauch an einem Mädchen, selbst angezeigt. Die Tat liegt 6 Jahre zurück und nun ermittelt die Justiz. Die luxemburgische Kirche hat den Priester sämtlicher Funktionen enthoben und schweigt.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt ist:“ Was passiert mit dem Täter?“ – „Oder, was tut der Täter nun?“

Die Justiz ermittelt, der Mann wird angeklagt und das Gericht spricht ein Urteil.

Aber der Mann hat ein Problem, welches weder die Kirche noch die Justiz werden lösen können! Er übt(e) sexuelle Gewalt gegen ein, seiner Zeit, minderjähriges Mädchen aus und ohne Hilfe und Unterstützung ist er geneigt es wieder zu tun.

Es macht für alle Beteiligte Sinn, dass der Täter angeklagt und verurteilt wird und seine Strafe verbüsst. Doch wie alle, hat diese Medaille auch zwei Seiten.

Wer betreut/ behandelt hier in Luxemburg sexuelle Gewalttäter? Und wird der Mann sich an geeignete Stellen wenden, damit er Hilfe bekommt? Und welche Rolle wird die Kirche dabei spielen?

Der Mann hat sich selbst angezeigt; im Beratungskontext sprechen wir von Selbstmeldern. Ein Ziel der Beratung/Therapie kann sein, dass sich die Täter_innen selbst anzeigen. Dieser Mann hat das bereits getan. Nach Abtragen seiner gesellschaftlichen Schuld(gesetzliche Strafe) steht eine persönliche Arbeit an.

Täterarbeit – die Arbeit an der Tat.

http://www.euline.eu

http://www.eupax.eu

 

Verrückte Frauen?

Allgemein gilt nach wie vor, dass häusliche Gewalt männlich ist, will sagen, dass überwiegend Männer in den eigenen vier Wänden, gegen ihre Partnerinnen und Kinder gewalttätig werden. Männer üben Gewalt aus; gegen Frauen, Kinder und gegen Männer.

Frauen sind eben auch gewalttätig, gegen ihre Partner und gegenüber ihren Kindern. In den Medien, aber auch bei Fachleuten, werden diese Frauen oft als psychisch labil bis psychisch krank beschrieben. Zumindest waren sie irgendwann mal psychiatrisch auffällig.

Stimmt das?

Sind also demnach gewalttätige Frauen psychiatrisch krank? Lässt sich ihre Gewalttätigkeit durch eine Krankheit erklären? Sind Frauen per se friedvolle und gewaltlose Wesen?

Es gibt auch andere Stimmen, die behaupten, dass sich häusliche Gewalt zu gleichen Teilen auf beide Geschlechter aufteilt. Andere sagen, dass 90% der Gewalttaten in Partnerschaften von Frauen verübt werden.

Opfer und Täter, zwei Perspektiven

Durch den Hinweis eines Kollegen auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung( Ein Tag im Herbst Familiendrama auf Seite3) war ich sehr berührt und irritiert zu gleich. Dermaßen, dass ich nun darüber schreibe.

Der Artikel betrachtet auf eindrucksvolle und, wie bereits gesagt, berührende Art und Weise die Opferseite. Und es gibt viele Opfer; in erster Linie der damals 4-jährige Valentino, seine Zwillingsschwester Lilly, die Mutter. Vom Vater, dem Täter erfahren wir wenig.

Die Sendung Hart aber fair schaut sich, bzw. versucht zumindest beide Seiten darzustellen..

Und es fällt mir schwer, auch jetzt, mich zu entscheiden. Ich pendele hin und her, zwischen Opfer und Täterseite. Eine innere Stimme ermahnt mich, dass es ja nur eine Antwort geben kann! Und die Darstellung in den Medien zwingt mich gradezu meinem Zorn auf den Täter freien Lauf zu lassen und ihm … an den Hals zu wünschen.

Kurze Erläuterung, um was es hier eigentlich geht. Der Artikel steht mir leider nicht zu Verfügung. Der Vater der Zwillinge hat in der Abwesenheit der Mutter seinen Sohn so geschüttelt, dass dieser schwer verletzt im Krankenhaus behandelt werden musste und heute, über ein Jahr später, noch stark unten den Folgen seiner Verletzungen zu leiden hat.

Ich entscheide mich für die Täterseite. Warum? Nun weil ich das bereits vor längerer Zeit getan habe, in dem ich mich zum Gewaltberater und Tätertherapeuten hab ausbilden lassen. Aber auch, weil ich beide Seiten nicht gerecht werden kann. Beide haben ihre berechtigte Daseinsberechtigung.

Ich verabscheue und lehne die Gewalttat absolut ab, sehe aber auch den Menschen, den Vater, den Mann hinter der Tat. Und dem biete ich meine Hilfe und Unterstützung an.

Hier der Link zur Sendung: ab min. 50´20″

http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2014/0428/index.php5

Fortsetzung folgt.

Opfer und Täter zugleich

Dies stellt eine grosse Herausforderung für die Gesellschaft und für uns Professionelle dar, der wir uns stellen müssen.
„Lilly“ hilft uns zu verstehen, wie Gewalttäter_innen funktionieren; sie sagt uns, dass sie getrieben von einem inneren Druck, von Ärger und Wut Erleichterung verspürt, wenn sie gegen andere sexuell gewalttätig wird.
Leider werden auch in diesem Beitrag, der einem begrüssungswertem Ansatz folgt, der falsche Schluss gezogen, nämlich Gewalttäter_innen würden aus Macht- und Sexualmotiven handeln.
Durch die Gewalt „übertragen“ die Täter_innen ihre eigene Hilflosigkeit, Ohnmacht und Verzweiflung an ihre Opfer und können sich so für einige Zeit von ihren Dämonen befreien.

Pädokriminelle!?

In letzter Zeit vermehrt, kann mann/frau auf fb und anderswo ganze Hasstiraden gegen Pädokriminelle lesen.

Ist es ein Täter, so bewegen sich die Kommentare von lebenslänglich einsperren, über Schwanz ab bis zur Wiedereinführung der Todesstrafe.

Ist eine Täterin, so findet mann/frau in den Kommentaren oft Bestürzung und Mitleidsbekundungen für die Opfer.

Ich kann dies sehr gut nachvollziehen und ich ertappe mich ebenfalls dabei, solche Rachefantasien zu haben. Dann frage ich mich allerdings, wo die herkommen und zu was sie nütze sind!?

Wir neigen dazu unseren Gedanken und Ideen nachzugehen, die durch Interpretationen und Bewertung entstehen und durch unsere erlebten Beziehungserfahrungen geprägt sind. Wir erfahren Hilflosigkeit, Ohnmacht und Verzweiflung, welche wir mit Gewalt bekämpfen wollen.

Wir geben unsere Verantwortung an andere ab; an unsere Kinder, die nein sagen und fühlen sollen, an unsere Regierungen und Gerichte, die die Übeltäter stärker bestrafen sollen oder gar, wir nehmen das Gesetz selbst in die Hand und erlangen so unsere Handlungsfähigkeit zurück. Ob das jedoch unseren Kindern hilft, ist äußerst fragwürdig.

Die angemessenen Gefühle sind Wut und Trauer; Wut, dass das, was da passiert, nicht in Ordnung ist und dass, wir alle da gefordert sind Abhilfe zu schaffen. Traurig über das Leid, das unseren Kindern angetan wurde und dafür Sorge tragen, dass dies aufhört.

Die meisten Kinder, welche Opfer sexueller Gewalt werden, sind vernachlässigte Kinder, von denen einige bereits Gewalterfahrungen gemacht haben. Hier gilt es anzusetzen, denn Kinder, die in liebevollen und aufmerksamen Beziehungen leben, werden seltener Opfer!