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Die Hand, die ausrutscht!

Letztens war in der Presse zu lesen, dass ein bekannter deutscher Schauspieler einen anderen Schauspieler geohrfeigt habe. Die Beiden sollen Streit bekommen haben, auf einer Party, nach einer Preisverleihung.

Weiter unten stehen die Namen. Es soll hier aber nicht um die Protagonisten selbst gehen, bzw. um das Thema Gewalt an sich, sondern, wie wir oder die Presse damit umgehen.

Hier eine Zeile aus einem Artikel, der sich mit dem Vorfall beschäftigt:

“ In der Nacht von Freitag auf Samstag ist Til Schweiger die Hand ausgerutscht, sie traf die Wange von Elyas M’Barek.“

(Quelle: Von Anna Kemper Zeitmagazine 23. JUNI 2015, 15:11 UHR)

Es geht mir um die Darstellung und Berichterstattung von Gewalttaten – sie ähnelt stark dem, was Gewalttäter_innen so an Erklärungen bereit halten, wenn sie sich selbst oder anderen erklären, was sie eigentlich getan haben. Nämlich nichts, gar nichts! Sie selbst haben – nichts – gemacht.

Ihre Hand ist ihnen ausgerutscht und zufällig im Gesicht des Gegenübers gelandet. Die Hände von diesen Menschen führen ein Eigenleben, völlig autark und ohne Kontrolle des Besitzers, schlagen sie, kneifen sie und schubsen andere Menschen und verletzen diese.

Dieses Verhalten dient alleine einem einzigen Zweck, nämlich die Verantwortung abzugeben. In diesem Fall der eigenen Hand, die sich selbständig gemacht hat. Oft ist aber auch der Gegenüber schuld; die Verantwortung für das eigene Tun dem anderen übertragen. Der, die hat provoziert, mich wütend gemacht, versteht nichts anderes u.s.w.

Und auch hört mann/frau Eltern sagen: „Eine auf den Hintern hat noch nie jemandem geschadet“ Oder “ Schade für die, die vorbei gegangen sind, bzw. wer nicht hören will, muß fühlen.“

Gewalt zerstört – macht die Seele kaput.

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Autobiographie in fünf Kapiteln

Wie Wolfgang B. schrieb: „Der Text hat mich sofort angesprochen, weil ich viele Episoden und Phasen meiner Arbeit mit gewalttätigen Menschen bestens beschrieben sehe.“

Dem schliesse ich mich wortlos an.

Autobiografie in fünf Kapiteln von Portia Nelson

1. Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren… Ich bin hilflos.
Ich bin ohne Hoffung.
Es war nicht meine Schuld.
Es dauert ein ganzes Leben,
da wieder herauszufinden
2. Ich gehe dieselbe Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon
wieder am gleichen Ort zu sein
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange,
herauszukommen.
3. Ich gehe dieselbe Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein….
aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort wieder heraus.
4. Ich gehe dieselbe Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5. Ich gehe eine andere Straße