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Vergewaltigung, was ist das?

Wem soll mann/frau glauben? Mit dieser Fragestellung fängt das Dilemma bereits an und ich fürchte, es bleibt verworren und wir die Antwort schuldig.

Auf jeden Fall ist die/der Betroffene in der Beweisschuld; sie/er muss beweisen, dass … Und hier denken sich kluge Köpfe Kriterien aus, die vorliegen und beweisbar sein müssen, damit wie in diesem Falle, von Vergewaltigung geredet werden kann. Erst dann, kann geurteilt und Strafen verhängt werden. Oder auch nicht!

Ein Gewalttäter gibt die Verantwortung für die, von ihm ausgeübte, Gewalttat an das Opfer ab. Er tut dies vor der Tat, während der Tat und nach der Tat. Das Opfer seinerseits, nimmt diese Verantwortung an – sie/er denkt und fühlt sich schuldig. Zusätzlich zu den erlittenen körperlichen und seelischen Qualen, plagen die Betroffenen Schuldgefühle an der eigenen Not.

Um zumindest diese Qual zu lindern, wäre es dringend von Nöten, dass der Rechtsstaat diese Verschiebung und Verschleierung der Verantwortung für die Gewalttat klarstellt; nämlich zu dem Täter_in.

Das Sexualstrafrecht basiert auf Mythen

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Häusliche Gewalt ist männlich!?

Dieser Tage taucht ein Video auf, welches einen american footballstar zeigt, welcher seine damalige Verlobte und heutige Ehefrau in einem Fahrstuhl bewusstlos schlug.

Durch solche Meldungen gelangt das Thema häusliche Gewalt und/oder Beziehungsgewalt in die Medien und damit in die Öffentlichkeit. Neben der Justiz reagiert auch der Verband NFL und verschärft Strafen für gewalttätige Spieler. Diese erhalten Sperren für anstehende Spiele.

Selbst der amerikanische Präsident reagiert und geht auf den Vorfall, in einer Rede, ein. Leider zeichnet er ein veraltetes Bild der häuslichen Gewalt, die in seinen Augen und/oder in der amerikanischen Öffentlichkeit, noch immer männlich ist und schliesst somit die gewalttätigen Frauen aus.

Das Tabu von Frauengewalt, Gewalt von Frauen gegen ihren Partner, gegen ihre Kinder, wird geleugnet und tabuisiert. Die Scham, welche Täter_innen und Opfer gleichermassen lähmt, wird aufrecht gehalten und verstärkt. Die gewalttätigen Frauen und die geschlagenen Männer schweigen und bleiben mit ihren Problemen alleine.

Hier bei uns in Europa ist das nicht anders. Sehr zaghaft finden Frauen den Weg in die Beratung; Männer, als Opfer dagegen, tun sich erheblich schwieriger. Zu dem gibt es kaum Hilfsangebote für geschlagene Männer.

Hier ein Artikel dazu:

http://www.bluewin.ch/de/sport/weitere-sportarten/2014/9/9/nfl-star-ray-rice-nach-pruegel-attacke-entlassen.html

Sicht der Dinge

 

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Das Zitat von Tchich Naht Hanh, ein buddhistischer Mönch, spiegelt meine Haltung gegenüber gewalttätigen Menschen wieder.

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass gewalttätige Menschen Gewalt ausüben um Macht zu erlangen, aufrecht zu erhalten oder auszubauen, erlebe ich diese Menschen, als Notleidende Wesen, die versuchen ihr Leid zu verringern.

Zugegeben, sie tun dies auf eine Art und Weise, die falsch und so mit nicht in Ordnung ist. Sie kränken und verletzen andere Menschen, die mit ihrem Leid und ihrer Not nichts zu tun haben. Auch ist klar, dass sie damit aufhören müssen. Diese Sichtweise dient der Herangehensweise  an Gewalttäter_innen um ihnen zu helfen ihre Gewalt zu beenden. Doch dazu ist es hilfreich Gewalttäter_innen zu verstehen.

Und das ist möglich. In dieser Haltung kann ich mit Täter_innen arbeiten und die mit mir. Dies ist unser Beitrag zur Befriedung der Welt.

 

Ich brauche Hilfe, ich bin gewalttätig

Die seit 2005, als dauerhaftes Angebot, funktionnierende internationale Täterhotline – EULINE -für gewalttätige Menschen, hat seine Telefonnummer geändert. Die alte Nummer 90077-439258 ist nicht mehr geschaltet und somit nicht mehr erreichbar.

Völlig anonym kannst du dich, mit deinem Gewaltproblem, an der neuen Telefonnummer 26 62 12 11 informieren und beraten lassen. Deine letzte Tat ist noch frisch; du weisst, dass du etwas falsch gemacht hast und schämst dich deswegen. Du fragst dich, wie konnte das passieren, wie konntest du dich so gehen lassen? Was dich jetzt im Einzelnen zum Ausflippen gebracht hat, weiss du nicht mal mehr. Du bist traurig und schwörst dir und deinem Opfer, dass das nie wieder passieren wird. Du und dein Gegenüber schweigt euch über die Tat aus.

Nach einiger Zeit, der Zurückhaltung deinerseits, beginnen die Auseinandersetzungen von Neuem. Kaum merklich schleichen sich alte bekannte Ideen ein; sie/er provoziert, sie/er weiss doch ganz genau, dass… wieviel male hab ich ihr/ihm das schon gesagt! oder so ähnlich.

Du kannst dir anders nicht mehr helfen – du bist ohnmächtig und hilflos. Sie/er macht dich hilfslos und ohnmächtig. Du produzierst Wut und Zorn, gibst die Verantwortung ab und packst sie/ihn, schubst und/oder schlägst erneut zu.

Oft ist es das erste Mal, dass du dich einem Dritten anvertraust und somit die Scham teilst und die Isolation der häuslichen Gewalt verlässt.

Am Telefon erwarten dich geschulte Telefon- und Gewaltberater, die dich an einen Kollegen vor Ort vermitteln. In der Regel vergehen 2- 3 Tage nach deinem Anruf bis zum Erstgespräch mit einem Berater oder Therapeuten.

Die Euline spricht dich direkt an. Also Frauen und Männer, wie dich, welche bis jetzt nicht auffällig geworden sind, sprich die der Polizei und den Gerichten unbekannt sind.(Dunkelfeld)

Du steckst im Gewaltkreislauf fest und kannst diesen nicht aus eigener Kraft verlassen und willst dennoch mit deiner Gewalt aufhören!?

Dann ruf an; für Luxemburg 26 62 12 11, für Deutschland 01805 43 92 58 oder schickt uns eine Mail: kontakt@euline.eu und/oder besuche uns im Web:

http://www.euline.eu

Gewalt zerstört – Euline hilft

Ein Täter schreibt

Neben der Kontaktaufnahme mit der Euline, der Täterhotline, über´s Telefon, können sie uns ebenfalls per Mail, kontakt@euline.eu , erreichen. Herr F.A. aus W. hat sich an uns, mit folgender Mail, gewendet. Mit seiner Erlaubnis, publiziere ich sie an dieser Stelle.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie um Ihre Hilfe bitten, denn ich habe ein Problem mit gewalttätigen Übergriffen auf meine Ehefrau. Ich werde diese kurz beschreiben: Wir streiten häufig, da wir uns über gewisse häusliche Dinge, so z.B. Ordnung des öfteren uneinig sind. Diese Streits sind in früheren Zeiten oft bis zu stark erhobenen Stimmen und Türenschlagen eskaliert. Zum ersten Mal übergriffig wurde ich im Oktober 2012. Ich war zu der Zeit beruflich stark gestresst, meine Frau mit ihrer Situation zuhause extrem unzufrieden – unsere Tochter war gerade erst knapp sieben Monate alt, meine Frau somit komplett ans Haus gebunden, was ihr nicht gefiel. Der Streit ging über ein Ordnungsthema, meine Frau stellte sich mit Baby unter dem Arm vor mir auf und schrie mir ins Gesicht. Im Reflex gab ich ihr eine Ohrfeige.
Danach folgte ein weiterer Übergriff im Dezember 2012, wiederum eine Ohrfeige. Ich war zu der Zeit beruflich stark gefordert, zugleich extrem unzufrieden in meinem Job und ohne Erfolg auf der Suche nach etwas anderem, was in einer Depression mündete. Im März 2013, nach wiederholten Suizidgedanken und wiederum häufigen heftigen Streitigkeiten – ohne körperliche Übergriffe, aber mit Gewalt gegen Gegenstände – rief meine Frau meine Eltern um Hilfe. (Ihre Mutter ist in den USA und steht deshalb ad hoc nicht zur Verfügung, der Vater ist verstorben). Diese berieten uns. Ich begab mich in eine Therapie und bekam eine schwache Dosis Psychopharmaka verschrieben, die ich inzwischen wieder abgesetzt habe. Darüber hinaus begaben wir uns gemeinsam in Eheberatung.
Der Frühling und der Sommer 2013 brachten infolgedessen vorübergehende Besserungen, was sicher auch daran lag, dass ich meine Arbeitsstelle verlor, eine Zeit lang bezahlten Freistellungsurlaub hatte und mich in der Folge selbständig machte. Es gab keine gewalttätigen Übergriffe bis zum September, als ich nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise – wiederum wegen einer Diskussion über Ordnung – mehrere Tassen und Gläser an die Wand warf und unseren Esstisch umwarf.
Seitdem habe ich mich sehr zusammengenommen, was mir auch meine Frau bestätigt hat und es geht uns insgesamt viel besser als noch vor einem Jahr. Extrem eskalierende Streitigkeiten gibt es fast nicht mehr.
Dennoch kam es vergangene Woche wieder zu körperlichen Übergriffen meinerseits, die heftiger waren als je zuvor. Ich schlug meine Frau mit der Faust, rang sie zu Boden, würgte sie kurz und trat mehrmals auf ihr Gesäß ein. Nach einer Zeit ließ ich von ihr ab und schrie noch eine Weile herum. Unsere Tochter war glücklicherweise im Bett, so dass dies ihr immerhin erspart blieb. Meine Frau hatte große Angst, zog die Konsequenzen und ging mit unsere Tochter in ein Frauenhaus.
Ich war am nächsten Tag schockiert und verstört, sah jedoch zumindest eine Teilschuld bei den Provokationen und Beschimpfungen durch meine Frau. Diese sagte, ich sollte eine Therapie machen. Ich lehnte dies zunächst kategorisch ab, doch dann begann ich nachzudenken, recherchierte im Internet und stieß auf Ihre Seite. Der von Ihnen beschriebene Gewaltkreislauf entspricht exakt der Dynamik meiner Übergriffe. Ich habe deshalb begriffen, dass ich hier allein nicht herauskomme und bitte Sie um Ihre Hilfe. Bitte sagen Sie mir, was ich tun kann!
Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen,

F.A.

Opfer und Täter, zwei Perspektiven

Durch den Hinweis eines Kollegen auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung( Ein Tag im Herbst Familiendrama auf Seite3) war ich sehr berührt und irritiert zu gleich. Dermaßen, dass ich nun darüber schreibe.

Der Artikel betrachtet auf eindrucksvolle und, wie bereits gesagt, berührende Art und Weise die Opferseite. Und es gibt viele Opfer; in erster Linie der damals 4-jährige Valentino, seine Zwillingsschwester Lilly, die Mutter. Vom Vater, dem Täter erfahren wir wenig.

Die Sendung Hart aber fair schaut sich, bzw. versucht zumindest beide Seiten darzustellen..

Und es fällt mir schwer, auch jetzt, mich zu entscheiden. Ich pendele hin und her, zwischen Opfer und Täterseite. Eine innere Stimme ermahnt mich, dass es ja nur eine Antwort geben kann! Und die Darstellung in den Medien zwingt mich gradezu meinem Zorn auf den Täter freien Lauf zu lassen und ihm … an den Hals zu wünschen.

Kurze Erläuterung, um was es hier eigentlich geht. Der Artikel steht mir leider nicht zu Verfügung. Der Vater der Zwillinge hat in der Abwesenheit der Mutter seinen Sohn so geschüttelt, dass dieser schwer verletzt im Krankenhaus behandelt werden musste und heute, über ein Jahr später, noch stark unten den Folgen seiner Verletzungen zu leiden hat.

Ich entscheide mich für die Täterseite. Warum? Nun weil ich das bereits vor längerer Zeit getan habe, in dem ich mich zum Gewaltberater und Tätertherapeuten hab ausbilden lassen. Aber auch, weil ich beide Seiten nicht gerecht werden kann. Beide haben ihre berechtigte Daseinsberechtigung.

Ich verabscheue und lehne die Gewalttat absolut ab, sehe aber auch den Menschen, den Vater, den Mann hinter der Tat. Und dem biete ich meine Hilfe und Unterstützung an.

Hier der Link zur Sendung: ab min. 50´20″

http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2014/0428/index.php5

Fortsetzung folgt.

Täterarbeit in Hildesheim

Zeitungsartikelüber meinen Freund und Kollegen Wolfgang Brandt und seine Arbeit mit gewalttätigen Menschen. Es ist selten genug mit diesem Thema in die Öffentlichkeit zu gelangen, da wir und unsere Klient_innen keine Lobby haben. Die wenigsten wollen/können sich mit Täter_innen identifizieren.

Aber dennoch ist es wichtig über uns und unsere Klient_innen zu schreiben, damit wir und unsere Arbeit bekannt werden und gewalttätige Menschen, die ihre Gewalt beenden wollen, wissen, dass sie Hilfe bekommen können und wo sie sie finden.

www.euline.eu

Hier der Artikel:

HAZ Artikel Gewaltberatung 15Mai2014