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Intervisionsgruppe

Unsere mehr oder weniger regionale Intervisionsgruppe gedeit und wächst. Vor etlichen Jahren bin ich als 4 Teilnehmer dazu gestoßen und seither treffen wir uns 4 – 5 x pro Jahr. Unser Entstehungsort ist Mainz und hauptsächlich treffen wird uns dort, aber nicht nur. In diesem Jahr, haben wir uns bei mir in Luxemburg getroffen. Gegen Ende des Jahres ist ein Treffen an der Mosel in der Gegend von BernKastelKues geplant.
Seit kurzem hat sich ein weiterer Kollege uns angeschlossen; wir sind nicht nur international unterwegs, nein, seit gestern konnten wir die erste Kollegin in unserer Mitte begrüßen. Nun sind wir auch genderkonform, auch wenn das Verhältnis noch Luft nach oben hat.

Wenn ich mir jetzt so anschaue, von wo, wir alle herkommen, muss ich den ersten Satz eher in überregionale Gruppe umbenennen. Bei unsen Treffen wird eines immer deutlich, wie nützlich und notwendig Vernetzung  und Austausch sind. Die immer wieder beschriebene Vereinsamung von Kolleg_innen, welche alleine und isoliert arbeiten müssen, zeugt davon. Ich persönlich könnte mir Gewalt/Täterarbeit ohne Bezugsgruppe nicht vorstellen.

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Zahlen zur häuslichen Gewalt

Der jährliche Bericht über häusliche Gewalt liegt vor; eigentlich müsste mann/frau einschränkend sagen, über häusliche Gewalt aus dem Hellfeld.

Ebenfalls erlauben uns die Zahlen häusliche Gewalt differenzierter zu betrachten. Letztes Jahr wurden 242 Wegweisungen verfügt, die sich wie folgt aufteilen:

12x wurde ein gewalttätiges Kind weggewiesen, welches gegenüber einem Erwachsenen tätig wurde.

5x war dies für einen Erwachsenen gegenüber einem Kind, der Fall.

222x wurde ein Erwachsener gegenüber seinem Partner gewalttätig und wurde weggewiesen. In der Mehrzahl dieser Übergriffe war der Täter ein Mann.

Es bleibt anzumerken, dass diese Statistik 10% der Gewalttaten erfaßt. Über die Dunkelziffer, die logischerweise den höheren Anteil ausmacht, wird dagegen keine einzige Silbe verloren.

Hier detaillierter nachzulesen:

Bericht Häusliche Gewalt 2015

Was kostet Beratung?

Die wenigsten aus meinen Ausbildungsgruppen können mit einer reinen Beratertätigkeit ihren Lebensunterhalt finanzieren. Diejenigen,  welche Beratung, in privaten Praxen, anbieten, tun dies nebenberuflich. Sowie ich auch. Einige werden bezuschusst durch verschiedene Auftraggeber(z. B. Jugendamt; Justiz u.a.)

Die meisten sind auf sogenannte Selbstzahler angewiesen. Ich stelle jedoch oft fest, daß die Leute, die bei mir aufschlagen, sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden und mein Honorar nicht bezahlen können oder wollen.  Das Ende vom Lied ist, daß die Beratung nicht stattfindet und der Betreffende, wohl oder übel, weiterhin gewalttätig ist. Das bedeutet nicht zwangsläufig, daß diese Menschen beraterresistent sind oder Beratung grundsätzlich ablehnen.

Ich nehme 75.- € pro 45′. Den meisten ist das zuviel. Ich müsste meinen Tarif noch höher ansetzen, wenn ich all meine direkten und indirekten Kosten berücksichtigen würde.  Doch dann, hätte ich noch weniger Klienten, bzw. gar keine mehr.

Bedeutet dies nun, daß nur in den sogenannten sozialschwachen Gesellschaftsschichten, hinter den eigenen 4 Wänden, geschlagen wird!? Nein, dies ist nicht der Fall. Häusliche Gewalt ist ein Vergehen, welches in allen Schichten zahlenmäßig gleich ist.  Nun, warum finden diese Menschen den Weg in die Beratung nicht? Nun ich denke, ich kann diese Menschen nicht erreichen – sie wissen nicht, dass es mich gibt! Tja und Werbung kostet wiederum Geld.

Die Euline ist eine Hotline an die sich gewalttätige Menschen wenden können, wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Die Telefonberater dieser Hotline verweisen auch an mich( PhaEmoPraxis Lëtzebuerg  ). Doch auch hier scheitert das Ganze am Geld. Oder kennen Sie die EULINE oder die Telefonnummer? Nein, sie kennen sie nicht! Damit dieser anonyme Zugangsweg funktionieren kann, muß er in der Bevölkerung bekannt sein und sie ahnen es bereits, das kostet Geld, welches der Träger dieser Hotline nicht hat.  Und ich auch nicht.

Ich bin etwas vom Thema abgekommen, aber dies war mir jetzt wichtig.

Selbstanzeige!?

Dieser Tage hat sich ein luxemburgischer Priester, wegen sexuellen Missbrauch an einem Mädchen, selbst angezeigt. Die Tat liegt 6 Jahre zurück und nun ermittelt die Justiz. Die luxemburgische Kirche hat den Priester sämtlicher Funktionen enthoben und schweigt.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt ist:“ Was passiert mit dem Täter?“ – „Oder, was tut der Täter nun?“

Die Justiz ermittelt, der Mann wird angeklagt und das Gericht spricht ein Urteil.

Aber der Mann hat ein Problem, welches weder die Kirche noch die Justiz werden lösen können! Er übt(e) sexuelle Gewalt gegen ein, seiner Zeit, minderjähriges Mädchen aus und ohne Hilfe und Unterstützung ist er geneigt es wieder zu tun.

Es macht für alle Beteiligte Sinn, dass der Täter angeklagt und verurteilt wird und seine Strafe verbüsst. Doch wie alle, hat diese Medaille auch zwei Seiten.

Wer betreut/ behandelt hier in Luxemburg sexuelle Gewalttäter? Und wird der Mann sich an geeignete Stellen wenden, damit er Hilfe bekommt? Und welche Rolle wird die Kirche dabei spielen?

Der Mann hat sich selbst angezeigt; im Beratungskontext sprechen wir von Selbstmeldern. Ein Ziel der Beratung/Therapie kann sein, dass sich die Täter_innen selbst anzeigen. Dieser Mann hat das bereits getan. Nach Abtragen seiner gesellschaftlichen Schuld(gesetzliche Strafe) steht eine persönliche Arbeit an.

Täterarbeit – die Arbeit an der Tat.

http://www.euline.eu

http://www.eupax.eu

 

Ich brauche Hilfe, ich bin gewalttätig

Die seit 2005, als dauerhaftes Angebot, funktionnierende internationale Täterhotline – EULINE -für gewalttätige Menschen, hat seine Telefonnummer geändert. Die alte Nummer 90077-439258 ist nicht mehr geschaltet und somit nicht mehr erreichbar.

Völlig anonym kannst du dich, mit deinem Gewaltproblem, an der neuen Telefonnummer 26 62 12 11 informieren und beraten lassen. Deine letzte Tat ist noch frisch; du weisst, dass du etwas falsch gemacht hast und schämst dich deswegen. Du fragst dich, wie konnte das passieren, wie konntest du dich so gehen lassen? Was dich jetzt im Einzelnen zum Ausflippen gebracht hat, weiss du nicht mal mehr. Du bist traurig und schwörst dir und deinem Opfer, dass das nie wieder passieren wird. Du und dein Gegenüber schweigt euch über die Tat aus.

Nach einiger Zeit, der Zurückhaltung deinerseits, beginnen die Auseinandersetzungen von Neuem. Kaum merklich schleichen sich alte bekannte Ideen ein; sie/er provoziert, sie/er weiss doch ganz genau, dass… wieviel male hab ich ihr/ihm das schon gesagt! oder so ähnlich.

Du kannst dir anders nicht mehr helfen – du bist ohnmächtig und hilflos. Sie/er macht dich hilfslos und ohnmächtig. Du produzierst Wut und Zorn, gibst die Verantwortung ab und packst sie/ihn, schubst und/oder schlägst erneut zu.

Oft ist es das erste Mal, dass du dich einem Dritten anvertraust und somit die Scham teilst und die Isolation der häuslichen Gewalt verlässt.

Am Telefon erwarten dich geschulte Telefon- und Gewaltberater, die dich an einen Kollegen vor Ort vermitteln. In der Regel vergehen 2- 3 Tage nach deinem Anruf bis zum Erstgespräch mit einem Berater oder Therapeuten.

Die Euline spricht dich direkt an. Also Frauen und Männer, wie dich, welche bis jetzt nicht auffällig geworden sind, sprich die der Polizei und den Gerichten unbekannt sind.(Dunkelfeld)

Du steckst im Gewaltkreislauf fest und kannst diesen nicht aus eigener Kraft verlassen und willst dennoch mit deiner Gewalt aufhören!?

Dann ruf an; für Luxemburg 26 62 12 11, für Deutschland 01805 43 92 58 oder schickt uns eine Mail: kontakt@euline.eu und/oder besuche uns im Web:

http://www.euline.eu

Gewalt zerstört – Euline hilft

Häusliche Gewalt im Hellfeld

Zahlen von 2013 zu häuslicher Gewalt in Luxemburg:

In 844 Fällen wurden polizeiliche Interventionen im Rahmen häuslicher Gewalt registriert, gegenüber 801 in 2012. 357 endeten damit, dass die gewalttätige Person der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurde. Das bedeutet, dass hier in Luxemburg (fast) täglich eine Person Gewalt gegenüber einem anderen Menschen ausübt oder körperliche Gewalt androht.

In 312 Fällen fanden körperliche Angriffe auf eine Person fest, wovon 235 ohne Arbeitsunfähigkeit und 77 mit Arbeitsunfähigkeit einhergingen. Die übrigen Fälle verteilen sich auf andere Delikte, wie z. B. Freiheitsberaubung, Stalking oder Totschlagversuch.

An Wochenenden kommt es vermehrt zu Einsätzen der Polizei und zu Wegweisungen(303)

Auffallend ist der Monat Dezember; in dieser Zeit gab es die meisten Wegweisungen(43). Die Erklärung liegt nahe, dass dies mit der Weihnachtszeit zu tun hat. Das Fest der Liebe, während dem sich ein jeder vielleicht noch mehr am Riemen reisst, keinen Streit vom Zaun zu brechen oder aber begehen viele das Weihnachtsfest mit erhöhten Erwartungen an Frieden und Fröhlichkeit und überfordern sich und ihre Liebsten total.

Im August dagegen, gab´s die Wenigsten(19).

Die Täter_innen teilen sich je nach Geschlecht wie folgt auf: 583 Männer(69,11%) und 261 Frauen(30,89). Interessant und vielleicht überraschend sind die Gruppen der 30- 40 -jährigen und die 50+ am Gewalttätigsten!?

Eine Frage möchte ich noch hervor streichen; es gab 2013 offiziell 302 Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden. Wo sind die geblieben? Haben sie sich Hilfe gesucht? Haben sie Hilfe und Unterstützung gefunden? Gibt es Anlaufstellen für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden?

Wie sehen die Beziehungen zwischen den Betroffenen und den Täter_innen aus, im Kontext der Wegweisungen?

311 Fälle wurden zwischen Männern und Frauen verübt: Eheleute(180), Lebenspartner_innen (121) und Ex-Partner_innen(8), Gepaxte(1) und Geschiedenen(1). Die übrigen verteilen sich auf Gewalt zwischen Eltern und Kindern, Kindern und Eltern, Geschwister, Grossmutter und Enkel und Stiefeltern und Kinder und umgedreht.

In Zahlen heisst das, dass 28 Jungs gegenüber ihren Eltern gewalttätig wurden. Im umgedrehten Fall halten Väter und Mütter sich (fast) die Waage. Die Opfer sind aber überwiegend Söhne.

Quelle: http://www.mega.public.lu/fr/publications/brochures-etudes/2014/rapport-cooperation-violence/Rapport-au-gouvernement-2013—Version-finale.pdf

Häusliche Gewalt und Euline®

Die Polizei wurde, im Kontext von häuslicher Gewalt, insgesamt 801 mal gerufen.

Im Jahre 2012 wurde fast täglich eine Person weggewiesen; die genaue Zahl beläuft sich auf 357. Der überwiegende Teil der Täter_innen war männlich(328) und der Rest war weiblich(29).

317 Wegweisungen waren bedingt durch Gewalt zwischen Partnern oder Ex- Partnern.

Seit 2004 werden statistische Erhebungen gemacht und seit dem steigt die Zahl der polizeilichen Einsätze und die Wegweisungen.

Quelle: www.mega.public.lu

Die obengenannte Zahl( 357) entspricht 10% dieser polizeilich/gerichtlich(sog. Hellfeld) bekannten Fälle. Wenn dies stimmen würde, dann gibt es in Luxemburg insgesamt 3570 Täter_innen und davon 3213 im Dunkelfeld. D. h. diese mehr als 3000 Täter_innen üben ihre Gewalt innerhalb der häuslichen Wände aus, versteckt, verheimlicht und vertuscht vor der Öffentlichkeit, sei es im direkten oder weiteren Umfeld.

Diesen Menschen wollen wir helfen und stellen ihnen einen, zunächst anonymen, Weg zu Verfügung, um mit uns Kontakt aufzunehmen. Ihr könnt uns telefonisch in der Woche von Mo. – Fr. jeweils von 9:00- 17:00 Uhr erreichen. Übers WE und zu späteren Zeiten könnt ihr uns eine Mail schreiben: kontakt@euline.eu

Die Hotlinenummer lautet für Luxemburg: 26 62 12 11

Die Telefonnummern fürs deutschsprachige europäische Ausland findet ihr auf unserer Webseite: http://www.euline.eu

Gewalt zerstört – Euline schützt